Seychellen – die Traumstrand-Inseln

Februar 2019

Die als sehr teuer bekannten Seychellen können auch anders. Klar kann man sich in den Fünf-Sterne-Häusern der bekannten Hotelketten einquartieren, aber die kleinen Guesthouses bieten eine wunderbare Alternative, und obendrein erfährt man viel darüber, wie die Seychellois leben. Von den vier größten der insgesamt 115 meist unbewohnten Inseln habe ich drei besucht, und auf jeder ein anderes Fortbewegungsmittel gewählt. Mein erster Stopp war

Praslin

Die Buslinie führt fast ganz um die Insel herum und zu sensationellen sieben oder zehn Rupies (50 bis 65 Cent) bekommt man eine Rundfahrt mit dem öffentlichen Bus. Er stoppt auch am Vallée de Mai, einem Naturschutzpark. Hier erfahre ich alles über das Wahrzeichen der Seychellen, die Coco de Mer, einer ganz besonderen, endemischen Palmenart. Sie steht streng unter Naturschutz und kann über 300 Jahre alt werden. Die eigentümliche Form der Frucht ist jetzt auch in meinem Reisepass als Ein- und Ausreisestempel verewigt.

Wer denkt bei den Seychellen nicht sofort an Traumstrände? Anse Lazio gehört sicher dazu. Von der Bushaltestelle aus gilt es noch ein steiles Auf und Ab zu überwinden und dann liegt die wunderschöne Bucht vor mir. Badewannenwarmes, klares, türkisfarbenes Wasser und ein fast menschenleerer Strand. Schon für dieses Erlebnis lohnt sich Praslin.

Nach einer 15-minütigen Fahrt mit der Fähre komme ich in

La Digue

an und verliebe mich sofort in diese kleine Insel. Hier leben nur 300 Menschen und sie sind alle mit dem Fahrrad unterwegs. Es gibt nur wenige kleine Lastwagen und ein paar elektrobetriebene Club Cars der Hotels, die ihre Gäste damit von der Fähre abholen. Die Hühner laufen gackernd mit ihrer Kükenschar über die Straße und die Insel umrundet man mit dem Fahrrad locker an einem Tag. Entspannung pur. Es gibt nur zwei Orte und sie gehen auch noch ineinander über: La Passe und La Réunion. Dazu gehört I’Union Estate, eine ehemalige Plantage und heute ein kleines Freilichtmuseum, denn hier erfährt man, wie die Kokosnüsse verarbeitet wurden, um daraus Kokosöl zu gewinnen. Zunächst wurde das Kokosfleisch getrocknet und gelangte dann in die von einem Ochsen angetriebene Kopramühle. Das Plantation House zeigt, wie der Plantagenbesitzer damals wohnte. Noch heute wird hier Vanille angebaut. Die Schoten sehen aus wie große grüne Bohnen und sind sehr unauffällig. Wenn sie an der Pflanze hängen, riechen sie nach nichts. Das Aroma entsteht wohl erst bei der Trocknung. Der Eintritt zu L’Union Estate kostet ungefähr zehn Euro und ist gleichzeitig der Eingang zum Strand, der schon für viele Werbespots herhalten musste: Anse Source d’Argent. Ein weiterer Traumstrand, der eingerahmt ist von runden Granitfelsen. Schon im hüfthohen Wasser sehe ich auch ohne Schnorchelausrüstung jede Menge kleiner schwarzweißer Fische und auch ein paar große bunte, die überhaupt nicht scheu sind. Die einzige Gefahr lauert in einigen Metern Höhe: niemals das Handtuch unter einer Kokospalme ausbreiten. Wenn die Kokosnüsse herunterfallen, können sie Menschen erschlagen. Ich habe selbst gesehen, wie sie krachend aufschlagen, zum Glück wurde niemand verletzt.

Überwältigend schön ist auch Grand Anse und Petite Anse. Und Anse Banane und Anse Patate. Was rede ich, alle Strände auf La Digue geben mir das Gefühl, im Paradies zu sein.  Jetzt, außerhalb der Saison teile ich sie mir mit nur sehr wenigen anderen Touristen.

Das Leben hier ist ursprünglich im besten Sinne. Man steht mit den Hühnern auf und geht mit ihnen schlafen. Ein Nachtleben existiert nicht, ebensowenig wie Straßenlaternen. Wenn man also nach Einbruch der Dunkelheit spazieren geht oder fährt, sollte man eine Taschen- oder Stirnlampe dabei haben.

Meine Restaurantempfehlungen: Auf der Ostseite der Insel erreicht man von La Passe aus nach ca. einer halben Stunde mit dem Rad Chez Jules. Nur durch eine Straße vom Strand getrennt, speist man mit Blick auf das türkisfarbene Meer, deshalb bietet es sich an, hier tagsüber zu essen. Aber nicht nur die Aussicht ist phänomenal, sondern auch die kreolische Küche.

Für den Abend empfehle ich Le Repaire, ein italienisches Restaurant mit sehr gutem Essen und einem aufmerksamen und unaufdringlichem Service.

Wenn man die Urlaubskasse nicht so sehr strapazieren will, kann man sich sehr gut an den verschiedenen Takeaways versorgen, die es nicht nur auf La Digue, sondern auch auf den anderen Inseln gibt.

Nicht zu übersehen ist jedoch, dass auf La Digue an allen Ecken und Enden gebaut wird. Hoffentlich kann dieses paradiesische Fleckchen Erde seinen friedlichen und entspannten Charakter bewahren.

 

Mahé

Die größte Insel mit der Hauptstadt und dem internationalen  Flughafen ist meine letzte Station. Von La Digue kommend, erscheint mir das Leben geradezu großstädtisch, obwohl Victoria nur etwa 30.000 Einwohner hat. Auf Mahé lohnt sich ein Mietwagen, denn hier gibt es einiges zu sehen. Eigentlich. Bei Kreolfleurage, einem kleinen Parfümhersteller, erklärt mir die zuständige und überaus gelangweilte Dame, dass es nur drei Parfüms gibt. Sie zählt die Bestandteile auf und lässt mich schnuppern. Das war’s.  Kein Blick in das Innere des Hauses oder weitere Erklärungen zum Unternehmen. Die Teefabrik wirkt ebenso verlassen, mit dem Unterschied, dass  hier Eintritt verlangt wird. Alles, was ich besichtigen kann, sind ein paar verstaubte Ausstellungsstücke im Dämmerlicht und zwei Arbeiterinnen, die Teebeutel in Kartons packen.  Aufregender war da eher das Gewitter, das sich gerade entlud.

Gelohnt hat sich der Ausflug zum Jardin du Roi. Von Avocado bis Zimt beherbergt dieser Garten fast alles an Obst, Gewürzen und auch Heilpflanzen.

Der Linksverkehr ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber durchaus machbar. Anstrengender dagegen sind die zahlreichen schmalen Serpentinen, die sich über das Inselinnere schlängeln. Manchmal ist das Blätterdach so dicht, dass man am hellichten Tag mit Licht fahren muss.

 

Ich hatte den Eindruck, dass der Tourismus auf den Seychellen wohldosiert ist. Die ausländischen Gäste haben dem Staat zwar zum höchsten Bruttoinlandsprodukt Afrikas verholfen, aber es gibt keine Tourismusindustrie wie in manchen anderen Ländern. Hoffen wir, dass es auch in Zukunft so bleibt!

 

Was würde ich nächstes Mal anders machen?

  • Nicht im Januar reisen

Der Januar gehört zur Regenzeit auf den Seychellen. Zwar hat jeder Reiseführer und jeder Online-Eintrag, den ich gelesen habe, versichert, dass es nur stundenweise regnet und dann die Sonne wieder hervorkommt. Allerdings hatte ich zwei komplette Regentage und wenn es auf den Seychellen regnet, dann regnet es richtig, so wie es sich für diesen Breitengrad auch gehört. Das Gute ist: trotzdem ist es immer warm und die Touristenschar hält sich in Grenzen. Nichtsdestoweniger würde ich nächstes Mal eher im Februar dorthin fliegen.

  • Die Mücken nicht unterschätzen

Sie pirschen sich lautlos heran und stechen unbemerkt zu. Erst nach Stunden und Tagen habe ich die Stiche bemerkt, als sie anfingen zu jucken und zu prächtigen roten Flecken wurden. Besser großzügig und vor allem prophylaktisch Anti-Brumm, Nobite oder etwas Ähnliches auf der Haut verteilen. Als Souvenir habe ich mehr als 30 Stiche mit nach Hause genommen.

  • Noch länger auf La Digue bleiben!

Und die anderen kleinen Inseln wie Felicité und Grand Soeur besuchen.

 

1 Kommentar

  1. Kommentar von Janina Zeisig

    Janina Zeisig Februar 2019 at 16:45

    Liebe Monika,

    das ist doch mal eine sympathische Art, die Seychellen zu erkunden. Ich würde sogar behaupten, dass die ganzen 5 Sterne Resort Touristen die wahren Seychellen gar nicht zu sehen bekommen. Aber jeder soll gerne reisen, wie er mag. Ich jedenfalls finde es toll, dass Du es so gemacht hast. 🙂

    Viele Grüße

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