Abu Dhabi – es ist alles Gold, was glänzt

Februar 2017

Superlative aus dem Übermorgenland gefällig? Hier gibt es welche:

SHEIKH-ZAYED MOSCHEE

Eine der größten Moscheen der Welt mit dem größten Teppich der Welt und dem größten Kronleuchter der Welt. Von 2001 bis 2007 durfte sich die Moschee von Muscat, nebenan in Oman, mit diesen Superlativen schmücken. 40.000 Gläubige fasst sie, das ist größer als so manches Fußballstadion .
Der Gebetsraum darf nur barfuß betreten werden und die Fußkontrolleure schauen sehr genau hin. Deshalb herrscht vor den Schuhregalen ein riesiges Gewusel. Bei diesem Anblick schießt mir die Frage durch den Kopf: Wurde die Moschee hauptsächlich für Touristen gebaut? Sicher nicht, aber momentan scheint es mir so. Trotzdem beeindruckend.

HERITAGE VILLAGE

Das Heritage Village liegt direkt am Meer. in kleinen Hütten zeigen Handwerker Traditionelles wie Glasherstellung, Intarsienarbeiten, Weben und das Leben im Allgemeinen, bevor das Öl den Menschen zu ihrem großen Reichtum verholfen hat. Vor fünfzig Jahren hat man noch nicht einmal an Wolkenkratzer gedacht und statt der Nobelkarossen und SUVs bewegten sich die Emiratis auf Kameln fort. Ein bescheidenes Einkommen sicherte die Perlentaucherei.
Wahrscheinlich noch interessanter wäre Qasr Al Hosn gewesen, aber das ist leider wegen größerer Umbauarbeiten bis März 2017 geschlossen. Schade! Aber die Größe der Baustelle ist viel versprechend. Da komme ich einfach noch mal wieder …

FALKENKLINIK

Kommt ein Falke zum Arzt … Das ist nicht der Anfang eines schlechten Witzes, sondern tatsächlich Realität. In der Mitte des Wartezimmers stehen zwanzig Zentimeter hohe Bänke, auf denen die Patienten Platz nehmen. Ganz ruhig sind sie, denn ihre überaus scharfen Augen und auch die Ohren sind mit Lederkäppchen bedeckt. Drumherum sitzen ihre Besitzer mit schneeweißen Dishdashas und tauschen vermutlich Krankengeschichten ihrer Lieblinge aus. Falken sind wertvolle Tiere, Famlienmitglieder und zugleich Statussymbol in Arabien. Sie genießen auch das Privileg, im Flugzeug in der Kabine direkt neben ihrem Besitzer zu reisen. Allen anderen Tieren ist der Frachtraum vorbehalten.
So kommt es, dass in der Stadt der Superlative die größte Falkenklinik der Welt steht. Da die Falken nicht wie in freier Natur ihre Krallen abnutzen, bringen ihre Besitzer sie im einfachsten Fall nur zur Pediküre hierher. Während die Krallen gekürzt werden, erhalten die Falken eine kurze Narkose. Es kann aber auch sein, dass sie in Jagdsaison ihre Federn beschädigt haben. Mit kaputten Federn fliegt es sich nicht gut, deshalb werden sie repariert oder ersetzt. Für die schwierigeren Fälle gibt es einen Operationssaal und sogar eine Intensivstation. Wenn die Vögel stationär aufgenommen werden, pflegt und versorgt man sie, und zwar mit Wachteln. Man gönnt sich ja sonst nichts.

DATTELN

Außer den zahlreichen Shopping Malls für jedermanns Geldbeutel bis zu den exklusivsten Einkaufstempeln gibt es noch die eher traditionellen Märkte, die wahrscheinlich schon hier waren, bevor das schwarze Gold aus der Erde sprudelte. Auf dem Gemüsemarkt sind die Auslagen appetitlich arrangiert und werden größtenteils von Indern feilgeboten. „Madam look, Strawberries and Cherries, please try“ Nee danke. Diese aggressiven Verkaufsmethoden sind mir schon in Mumbai auf die Nerven gegangen. Zur Ehrenrettung der Gemüsehändler muss ich aber sagen, dass mir jemand sehr freundlich erklärt hat, was Rambutan ist. Schmeckt genauso wie Litschis und hat auch einen Kern; allerdings ist die Frucht größer. Ich sag’s ja, Reisen bildet.
Im hinteren Teil des Marktes steht eine Ladenzeile, in der nur Datteln verkauft werden. Wenn mir der Sinn nach extrem Süßen stehen würde, könnte ich unter mindestens zehn verschiedenen Sorten auswählen, Dattelpralinen in allen Kombinationen noch gar nicht mitgerechnet. Eingekauft wird hier nur in großen Gebinden. Ganze Kofferraumladungen mit Gemüse werden abtransportiert. Mickrige Ein- bis Zwei-Personenhaushalte existieren hier wohl nicht.

EMIRATES PALACE

Das Emirates Palace ist eines der Hotels, bei denen für eine Übernachtung mein Monatseinkommen nicht ausreicht. Immerhin kann ich Teile des Anwesens besichtigen. Für ein kleines Vermögen darf der normale Tourist in der Lobby immerhin einen Afternoon Tea zu sich nehmen, natürlich nur nach Voranmeldung. Hier ist tatsächlich alles Gold, was glänzt. Und es glänzt sehr viel. Die Lobby ist ein echter Touristen-Hotspot, wo jeder mindestens zehn Selfies nach Hause trägt. Das ist das erste Mal, dass ich meinen Fuß über die Schwelle eines 7-Sterne-Hotels setze. Und wahrscheinlich auch das letzte Mal.

ETIHAD TOWERS

Das Jumeirah-Hotel hat im 74. Stock eine Bar mit Panoramablick. Als Nicht-Hotelgast lege ich 85 AED inklusive 50 Dirham Verzehrgutschein auf den Tisch des Hauses und schon kann ich bei einem Raspberry-Rose-Mocktail und kleinen Snacks die aufregende Aussicht genießen. Andere Damen, ganz traditionell mit Abayas gekleidet und perfekt geschminkt, treffen sich zum Afternoon Tea mit ziemlich großen Etagèren voller süßem Gebäck. Als ich an ihrem Tisch vorbei gehe, umgibt mich eine Wolke orientalischen Parfums, nicht aufdringlich, sondern genau richtig dosiert. So etwas möchte ich auch haben. Ich weiß schon, welches Souvenir in meinem Koffer landen wird …
Von hier oben sehe ich genau, wie sich die Stadt ins Meer vorschiebt. Eine Insel nach der anderen wird aufgeschüttet, um weitere spektakuläre Bauten Richtung Himmel zu schrauben.
Am schönsten ist es, wenn sich die Sonne senkt und langsam die Lichter der Stadt angehen. Für mich einer der unvergesslichen Momente meiner Reise.

MANARAT AL SAADIYAT

Für Louvre, Guggenheim und Nationalmuseum ist es noch ein paar Jahre zu früh, aber Manarat Al Saadiyat im sogenannten Cultural District ist geöffnet. Theoretisch jedenfalls. Praktisch eigentlich auch. Was bedeutet, dass ich zwar in das Gebäude gehen kann, aber die letzte Ausstellung ist abgeräumt und die nächste noch nicht wieder aufgebaut. Damit ist der Rundgang in fünf Minuten beendet. Gegenüber steht der VAE-Pavillon der Weltausstellung in Shanghai, zwei Sanddünen aus Metall. Davon abgesehen, herrscht noch ziemlich viel Ödnis auf der Insel Saadiyat, die einmal das kulturelle Zentrum Abu Dhabis werden soll. Wenn das, was momentan nur auf Papier existiert, fertig ist, dürfte Saadiyat ein Mekka für Architekturfans werden: Norman Foster, Frank Gehry, Zaha Hadid, Jean Nouvel werden ihre Spuren hinterlassen. Darauf freue ich mich heute schon.

Ab und zu habe ich das Gefühl, zu früh hier zu sein. Die nächste Ausstellung im bisher einzigen Museum wird im März sein; ebenso die Wiedereröffnung des Qasr Al Hosn. Wann Louvre, Guggenheim und Nationalmuseum fertig sein werden, ist nicht klar. Das ökologische Vorzeigeprojekt Masdar City ist wohl komplett, aber für meinen Geschmack noch ein bisschen unbelebt. Andrerseits: Sind Städte jemals fertig? Das einzig Beständige ist der Wandel und das, was hier vor wenigen Jahrzehnten aus dem Wüstensand gewachsen ist, beeindruckt mich ungemein. Ebenfalls nicht zu verachten: als allein reisende Frau muss ich mir zu keinem Zeitpunkt Sorgen um meine Sicherheit machen.
Es wird ein nächstes Mal geben, mit noch mehr Architektur, mit Al Ain und mit Wüste.

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