Mit dem Kopf durch das Land

Regional ist das neue Bio

Von außen: große Schaufensterflächen mit einer bunten Mischung an Auslagen. Ein paar Produkte sind auch ausgestellt, aber den größten Teil der Fläche nehmen Fotos und Sprüche ein, wie „Wenn wir nicht neidig sind, haben wir alle genug“. Die Fotos zeigen einen Mann, der sich nicht zu schade dafür ist, in quietschbunten Kostümen dafür einzutreten, was ihm am Herzen liegt.
Von innen: Lebensmittel in aufgeräumten Regalen, von Fleur de sel über Wein bis Käse. Nördlich der Alpen würden wir es Feinkost nennen, aber hier, gleich neben dem österreichischen Plöckenpass ist es eine Edelgreißlerei.
Und mittendrin: ein riesiger Tisch und ein Mann, der weiß, was er will. Ein Dickkopf, wie er sich selbst bezeichnet. Bescheidenheit sei nicht seine Sache. Herwig Ertl hat eine Vision. Er hat das köstlichste Eck Kärntens ausgerufen, dessen Epizentrum sich im Gailtal befindet. Worum geht es genau?  Menschen aus Kötschach-Mauthen und den umliegenden Gemeinden widmen sich mit ganzem Herzen verschiedensten Lebensmitteln. Wahrscheinlich würden die meisten von ihnen das Bio-Siegel bekommen, aber eine Zertifizierung ist zu teuer für sie. So wird Bio kurzerhand umdefiniert zu „Bin in Ordnung“. Da ist zum Beispiel der Bauer, der eine fast ausgestorbene Sorte Mais kultiviert. Er verzichtet auf Kunstdünger und füttert den Mais mit Nährstoffen aus natürlichen Quellen. Dafür hat er sogar einen Innovationspreis bekommen. Oder die beiden Freunde, die als Quereinsteiger Biere brauen, die ohne Pasteurisierung auskommen.

Für diese Erzeuger ist Herwig Ertl das Sprachrohr. Und das kann er gut. Er verkleidet sich, setzt sich in Szene und gibt seinen Lieferanten Nachhilfe in Sachen Marketing. Zum Umgang mit Lebensmitteln hat er eine klare Haltung: „Die Überproduktion muss aufhören. Lebensmittel sind wervolle Güter, die nicht verschleudert werden dürfen. Nicht das Mindeshaltbarkeitsdatum soll darüber entscheiden, ob Essen in der Mülltonne landet, sondern der Gaumen.“

So viel zum Hintergrund. Zurück in den Laden und an den Tisch. Vor mir liegt eine Schieferplatte mit vielen ganz kleinen Köstlichkeiten. Während Herwig vom regionalen Käse, der Sonnleitner Sissy und der örtlichen Bierbrauerei erzählt, verfeinert er die Häppchen noch mit diesem oder jenem Öl, Essig und anderen Dingen. Die getrockneten Tomaten sind nicht nur eingelegt, sondern auch noch sonnengeküsst.  Das krosse Gebäck, auf dem der Käse lagert, nennt er Schwiegermutterzungen. Mit einer Portion Fantasie schmeckt es noch besser.  Nicht nur das Auge isst mit, sondern auch der Kopf. Wir zelebrieren das Essen.

Das köstlichste Eck scheint nicht komplett in Kärnten zu liegen. Der Edelgreißler bezieht seine ausgewählten Delikatessen auch aus Slowenien und Italien. Beides liegt nicht weit entfernt von hier. Nach ungefähr zwei Stunden Verkostung bin ich endgültig angefixt und, ich will’s gar nicht leugnen, die schöne Einrichtung und die Präsentation der Dinge tun ihr Übriges. Enfach unwiderstehlich finde ich das Haselnussöl aus Piemonter Haselnüssen, den Marillensaft, die Mangovinaigrette und ja, auch die Zotter-Lakritzschokolade muss mit.

Ein bisschen erstaunt hat mich allerdings, dass ein zugegebenermaßen kleines Regal mit konventionellen Dingen bestückt ist, die auch in jedem Supermarkt zu finden sind. Für mich passt es nicht hierher, wo Deko, Einrichtung und Präsentation den Lebensmitteln einen ästhetischen Rahmen geben. Aber der Herwig hat sich bestimmt etwas dabei gedacht. Kann gar nicht anders sein. Vielleicht verrät er’s ja …

Zum Schluss empfiehlt er mir noch, auf jeden Fall die Kärntner Nudel zu probieren. Im Gailtal sagt man, wenn ein Mädchen in der Lage ist, diese Nudel zuzubereiten, kann sie heiraten. Na gut, also auf in den Gasthof Grünwald.  Das Nudl-Kudl-Mudl klingt lustig, das nehme ich. Es kommen vier mit Polenta, Tomate-Mozzarella, Spinat und Erdäpfel gefüllte Teigtaschen, übergossen mit Butter.  So. Für die nächsten 24 Stunden bin ich satt. Eigentlich hätte ich auch gern die Dessertnudeln probiert, aber die passen beim besten Willen nicht mehr rein.

Nächste Woche erzähle ich euch von einer Kaffeerösterei und was einen guten Kaffee ausmacht.

Von außen: große Schaufensterflächen mit einer bunten Mischung an Auslagen. Ein paar Produkte sind auch ausgestellt, aber den größten Teil der Fläche nehmen Fotos und Sprüche ein, wie „Wenn wir nicht neidig sind, haben wir alle genug“. Die Fotos zeigen einen Mann, der sich nicht zu schade dafür ist, in quietschbunten Kostümen dafür einzutreten, was ihm am Herzen liegt.
Von innen: Lebensmittel in aufgeräumten Regalen, von Fleur de sel über Wein bis Käse. Nördlich der Alpen würden wir es Feinkost nennen, aber hier, gleich neben dem österreichischen Plöckenpass ist es eine Edelgreißlerei.
Und mittendrin: ein riesiger Tisch und ein Mann, der weiß, was er will. Ein Dickkopf, wie er sich selbst bezeichnet. Bescheidenheit sei nicht seine Sache. Herwig Ertl hat eine Vision. Er hat das köstlichste Eck Kärntens ausgerufen, dessen Epizentrum sich im Gailtal befindet. Worum geht es genau?  Menschen aus Kötschach-Mauthen und den umliegenden Gemeinden widmen sich mit ganzem Herzen verschiedensten Lebensmitteln. Wahrscheinlich würden die meisten von ihnen das Bio-Siegel bekommen, aber eine Zertifizierung ist zu teuer für sie. So wird Bio kurzerhand umdefiniert zu „Bin in Ordnung“. Da ist zum Beispiel der Bauer, der eine fast ausgestorbene Sorte Mais kultiviert. Er verzichtet auf Kunstdünger und füttert den Mais mit Nährstoffen aus natürlichen Quellen. Dafür hat er sogar einen Innovationspreis bekommen. Oder die beiden Freunde, die als Quereinsteiger Biere brauen, die ohne Pasteurisierung auskommen.

Für diese Erzeuger ist Herwig Ertl das Sprachrohr. Und das kann er gut. Er verkleidet sich, setzt sich in Szene und gibt seinen Lieferanten Nachhilfe in Sachen Marketing. Zum Umgang mit Lebensmitteln hat er eine klare Haltung: „Die Überproduktion muss aufhören. Lebensmittel sind wervolle Güter, die nicht verschleudert werden dürfen. Nicht das Mindeshaltbarkeitsdatum soll darüber entscheiden, ob Essen in der Mülltonne landet, sondern der Gaumen.“

So viel zum Hintergrund. Zurück in den Laden und an den Tisch. Vor mir liegt eine Schieferplatte mit vielen ganz kleinen Köstlichkeiten. Während Herwig vom regionalen Käse, der Sonnleitner Sissy und der örtlichen Bierbrauerei erzählt, verfeinert er die Häppchen noch mit diesem oder jenem Öl, Essig und anderen Dingen. Die getrockneten Tomaten sind nicht nur eingelegt, sondern auch noch sonnengeküsst.  Das krosse Gebäck, auf dem der Käse lagert, nennt er Schwiegermutterzungen. Mit einer Portion Fantasie schmeckt es noch besser.  Nicht nur das Auge isst mit, sondern auch der Kopf. Wir zelebrieren das Essen.

Das köstlichste Eck scheint nicht komplett in Kärnten zu liegen. Der Edelgreißler bezieht seine ausgewählten Delikatessen auch aus Slowenien und Italien. Beides liegt nicht weit entfernt von hier. Nach ungefähr zwei Stunden Verkostung bin ich endgültig angefixt und, ich will’s gar nicht leugnen, die schöne Einrichtung und die Präsentation der Dinge tun ihr Übriges. Enfach unwiderstehlich finde ich das Haselnussöl aus Piemonter Haselnüssen, den Marillensaft, die Mangovinaigrette und ja, auch die Zotter-Lakritzschokolade muss mit.

Ein bisschen erstaunt hat mich allerdings, dass ein zugegebenermaßen kleines Regal mit konventionellen Dingen bestückt ist, die auch in jedem Supermarkt zu finden sind. Für mich passt es nicht hierher, wo Deko, Einrichtung und Präsentation den Lebensmitteln einen ästhetischen Rahmen geben. Aber der Herwig hat sich bestimmt etwas dabei gedacht. Kann gar nicht anders sein. Vielleicht verrät er’s ja …

Zum Schluss empfiehlt er mir noch, auf jeden Fall die Kärntner Nudel zu probieren. Im Gailtal sagt man, wenn ein Mädchen in der Lage ist, diese Nudel zuzubereiten, kann sie heiraten. Na gut, also auf in den Gasthof Grünwald.  Das Nudl-Kudl-Mudl klingt lustig, das nehme ich. Es kommen vier mit Polenta, Tomate-Mozzarella, Spinat und Erdäpfel gefüllte Teigtaschen, übergossen mit Butter.  So. Für die nächsten 24 Stunden bin ich satt. Eigentlich hätte ich auch gern die Dessertnudeln probiert, aber die passen beim besten Willen nicht mehr rein.

Nächste Woche erzähle ich euch von einer Kaffeerösterei und was einen guten Kaffee ausmacht.

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