Mein Helgoland-ABC

März 2016

Mein Helgoland-ABC

Ausbooten ist eigentlich nicht notwendig. Die Seebäderschiffe können problemlos in den Südhafen einlaufen. Weil es aber erstens eine Touristenattraktion ist und zweitens mehreren Insulanern ein Einkommen verschafft, wird das Umsteigen in kleine Boote immer noch aufrechterhalten. Allerdings nicht jetzt im März, sondern erst ab April.

Butterfahrten – das ist das, was ich bisher in erster Linie mit Helgoland verbunden hatte. Aus dem zollfreien Einkaufen ist nun das mehrwertsteuerfreie Einkaufen geworden, aber tatsächlich bekommt man fast jede beliebige Spirituose auf dem Festland für dasselbe Geld. Nichtsdestoweniger halten sich die Schnapsbuden immer noch.

Düne – nach einer stellenweise wilden Fahrt mit einem kleinen Boot gelange ich nach zehn Minuten auf die Düne, einer Badeinsel mit wunderbar weißem Sand, ein paar Ferienhäuschen, einem kleinen Flugplatz, einer Kneipe und sonst nichts. Der Sonnenschein lässt mich ahnen, wie schön es hier im Sommer sein muss, wenn die Hauptaktivität darin besteht, sich im Sand von einer Seite auf die andere zu drehen. Aber selbst in der Hochsaison findet man hier ein einsames Plätzchen.

Das Essen in den Restaurants und Bistros ist eher bodenständig: Diverse Fische mit Salzkartoffeln dominieren die Speisekarte, das vegetarische Angebot ist eher mager. Sehr gut hat mir das Galerie Restaurant im Hotel Rickmers Insulaner gefallen. Wie es sich gehört, ist die Speisekarte übersichtlich und dennoch einfallsreich. Zu den Seebad-Klassikern gehören auch Geschichten, die vom Service gern zum Besten gegeben werden; siehe auch „Graupen“.

Farben – viele Häuser sind in kräftigen Farben gestrichen. Das sieht richtig gut aus und erinnert mich sowohl an die bunte Karibik als auch an manche nordische Gegend.

Graupen. Auf der Speisekarte steht „Damen- und Herrenbrei“. So ein geheimnisvoller Name verführt natürlich zum Nachfragen. Also, das war so: damals, als schon fast alles aufgegessen war, bevor das nächste Versorgungsschiff kam, fanden sich im Küchenschrank immer noch Graupen, das sind geschälte Gersten- oder Weizenkörner. Für die Herren wurde der Graupenbrei als Nachtisch mit Rum verfeinert und für die Damen mit Trockenobst. Auch verfeinert ist der Brei immer noch eine etwas fade Angelegenheit, aber die Geschichte dazu macht das Dessert wieder interessant. Zu finden im Galerie Restaurant.

Hummerbuden – Nach der Langen Anna das zweite Wahrzeichen Helgolands. Und weil sie so berühmt sind, wird gerade noch eine zweite Reihe davon fertig gestellt, sozusagen Original und Kopie.

Insellage – Möchte ich auf so einer kleinen Insel wohnen? Klare Antwort: auf gar keinen Fall. Nicht allein, dass ich mir nach kurzer Zeit eingesperrt vorkäme und abgeschnitten von der Außenwelt. In so einer kompakten Gemeinschaft steht man unter ständiger Beobachtung und wird schnell mal Gegenstand von Klatsch und Tratsch. Ich bin in einem kleinen Dorf aufgewachsen und weiß, wovon ich spreche.

Knieper – das sind die Scheren des Taschenkrebses. Sie werden als Helgoländer Spezialität verkauft.  Um an das Fleisch zu kommen, ist wohl schweres Werkzeug erforderlich.

Alle Leute, mit denen ich Kontakt hatte, waren wirklich nett. Die Männer im Hafen, die Bedienung im Restaurant, die gesprächige alte Dame im Bistro, die gern vom Inselleben erzählt. Einzig der Mann in der Fischbrötchenbude muss einen schlechten Tag gehabt haben. Ich glaube, alle Helgoländer duzen sich untereinander. Das Leben auf einem übersichtlichen Felsen schweißt zusammen.

Muscheln kann ich nicht finden, so sehr ich die Düne und die Hauptinsel auch danach absuche. Dabei hatte ich meinem Neffen fest versprochen, ihm welche mitzubringen. Für Alkohol ist er mit seinen knapp drei Jahren noch ein bisschen jung und ein Fischbrötchen würde auf der Fahrt nach Hause verderben. Was tun?

Ein Nachtleben existiert schlichtweg nicht. Viele Restaurants schließen um 21 Uhr.  Es ist nicht so, dass die Küche dann dichtmacht, nein, nach neun Uhr abends hat gefälligst jeder zu Hause zu sein. Eine löbliche Ausnahme ist die Bunte Kuh im Unterland.  Die Bedienung ist gut gelaunt und hat zur passenden Zeit einen flotten Spruch auf den Lippen. Sympatischer Laden.

Im Oberland sind, wenigstens im März, Mütze und Schal wärmstens zu empfehlen. Mit der richtigen Kleidung kann man in einem schönen Spaziergang die Insel umrunden und die Vogelwelt beobachten. Hier sehe ich auch, wie sehr der Fels im Norden bröckelt. Platten von ehemaligen Spazierwegen ragen heute ins Nichts.

Robben – Noch nie in meinem Leben habe ich so viele Robben auf einem Haufen und von so nah gesehen. Sie lassen sich auf der Badedüne die Sonne auf ihre dicke Fettschicht scheinen und es sieht so aus, als ginge es ihnen richtig gut. Manche liegen auch nicht direkt an der Wasserkante, sondern etwas weiter oben, so dass man ihnen, wenn man nicht aufpasst, glatt auf die Flossen treten kann. Mit einem lauten Fauchen zwingen sie einen dann, wenigstens „Entschuldigung“ zu sagen.

Die siebziger Jahre sind hier an vielen Stellen noch lange nicht vorbei. Offenbar hat das Inselleben die Zeit konserviert, als noch viel mehr Besucher nach Helgoland kamen.

Unterland – Wäre nicht die ganze Insel autofrei, würde ich sagen, hier gibt es eine knapp hundert Meter lange Fußgängerzone. Jedenfalls reihen sich hier die Geschäfte aneinander, die vorwiegend für die Urlauber gedacht sind. Die Insulaner kaufen wahrscheinlich im Internet.

Vögel  Nahe der Langen Anna wohnen Vögel mit so lustigen Namen wie Trottellummen oder Baßtölpel. Dabei stellen sie sich im Flug gar nicht trottelig oder tölpelhaft an, sondern segeln sehr elegant durch die Lüfte, zum Greifen nah.

Wetter. Und meine Mutter sagte noch: „Zieh dich warm an, Kind.“ Recht hatte sie. Im März pfeift mir der Wind auf dem Weg zur Langen Anna heftig um die Ohren. Hätte ich bloß meine Skiunterwäsche dabei. Am Tag zuvor auf der Badedüne, die Helgoland vorgelagert ist, lässt es sich dagegen in einer geschützten Ecke sogar fast ohne Jacke aushalten.

Zahlen, die keinen interessieren, die ich aber trotzdem loswerden will: Auf der Insel leben 1.400 Einwohner. In diesem Jahr gibt es drei Konfirmanden, fünf Gerichtstage und sechs freie Stellen als Ausbooter. 184 Stufen verbinden Ober- und Unterland.

 

Ausbooten ist eigentlich nicht notwendig. Die Seebäderschiffe können problemlos in den Südhafen einlaufen. Weil es aber erstens eine Touristenattraktion ist und zweitens mehreren Insulanern ein Einkommen verschafft, wird das Umsteigen in kleine Boote immer noch aufrechterhalten. Allerdings nicht jetzt im März, sondern erst ab April.

Butterfahrten – das ist das, was ich bisher in erster Linie mit Helgoland verbunden hatte. Aus dem zollfreien Einkaufen ist nun das mehrwertsteuerfreie Einkaufen geworden, aber tatsächlich bekommt man fast jede beliebige Spirituose auf dem Festland für dasselbe Geld. Nichtsdestoweniger halten sich die Schnapsbuden immer noch.

Düne – nach einer stellenweise wilden Fahrt mit einem kleinen Boot gelange ich nach zehn Minuten auf die Düne, einer Badeinsel mit wunderbar weißem Sand, ein paar Ferienhäuschen, einem kleinen Flugplatz, einer Kneipe und sonst nichts. Der Sonnenschein lässt mich ahnen, wie schön es hier im Sommer sein muss, wenn die Hauptaktivität darin besteht, sich im Sand von einer Seite auf die andere zu drehen. Aber selbst in der Hochsaison findet man hier ein einsames Plätzchen.

Das Essen in den Restaurants und Bistros ist eher bodenständig: Diverse Fische mit Salzkartoffeln dominieren die Speisekarte, das vegetarische Angebot ist eher mager. Sehr gut hat mir das Galerie Restaurant im Hotel Rickmers Insulaner gefallen. Wie es sich gehört, ist die Speisekarte übersichtlich und dennoch einfallsreich. Zu den Seebad-Klassikern gehören auch Geschichten, die vom Service gern zum Besten gegeben werden; siehe auch „Graupen“.

Farben – viele Häuser sind in kräftigen Farben gestrichen. Das sieht richtig gut aus und erinnert mich sowohl an die bunte Karibik als auch an manche nordische Gegend.

Graupen. Auf der Speisekarte steht „Damen- und Herrenbrei“. So ein geheimnisvoller Name verführt natürlich zum Nachfragen. Also, das war so: damals, als schon fast alles aufgegessen war, bevor das nächste Versorgungsschiff kam, fanden sich im Küchenschrank immer noch Graupen, das sind geschälte Gersten- oder Weizenkörner. Für die Herren wurde der Graupenbrei als Nachtisch mit Rum verfeinert und für die Damen mit Trockenobst. Auch verfeinert ist der Brei immer noch eine etwas fade Angelegenheit, aber die Geschichte dazu macht das Dessert wieder interessant. Zu finden im Galerie Restaurant.

Hummerbuden – Nach der Langen Anna das zweite Wahrzeichen Helgolands. Und weil sie so berühmt sind, wird gerade noch eine zweite Reihe davon fertig gestellt, sozusagen Original und Kopie.

Insellage – Möchte ich auf so einer kleinen Insel wohnen? Klare Antwort: auf gar keinen Fall. Nicht allein, dass ich mir nach kurzer Zeit eingesperrt vorkäme und abgeschnitten von der Außenwelt. In so einer kompakten Gemeinschaft steht man unter ständiger Beobachtung und wird schnell mal Gegenstand von Klatsch und Tratsch. Ich bin in einem kleinen Dorf aufgewachsen und weiß, wovon ich spreche.

Knieper – das sind die Scheren des Taschenkrebses. Sie werden als Helgoländer Spezialität verkauft.  Um an das Fleisch zu kommen, ist wohl schweres Werkzeug erforderlich.

Alle Leute, mit denen ich Kontakt hatte, waren wirklich nett. Die Männer im Hafen, die Bedienung im Restaurant, die gesprächige alte Dame im Bistro, die gern vom Inselleben erzählt. Einzig der Mann in der Fischbrötchenbude muss einen schlechten Tag gehabt haben. Ich glaube, alle Helgoländer duzen sich untereinander. Das Leben auf einem übersichtlichen Felsen schweißt zusammen.

Muscheln kann ich nicht finden, so sehr ich die Düne und die Hauptinsel auch danach absuche. Dabei hatte ich meinem Neffen fest versprochen, ihm welche mitzubringen. Für Alkohol ist er mit seinen knapp drei Jahren noch ein bisschen jung und ein Fischbrötchen würde auf der Fahrt nach Hause verderben. Was tun?

Ein Nachtleben existiert schlichtweg nicht. Viele Restaurants schließen um 21 Uhr.  Es ist nicht so, dass die Küche dann dichtmacht, nein, nach neun Uhr abends hat gefälligst jeder zu Hause zu sein. Eine löbliche Ausnahme ist die Bunte Kuh im Unterland.  Die Bedienung ist gut gelaunt und hat zur passenden Zeit einen flotten Spruch auf den Lippen. Sympatischer Laden.

Im Oberland sind, wenigstens im März, Mütze und Schal wärmstens zu empfehlen. Mit der richtigen Kleidung kann man in einem schönen Spaziergang die Insel umrunden und die Vogelwelt beobachten. Hier sehe ich auch, wie sehr der Fels im Norden bröckelt. Platten von ehemaligen Spazierwegen ragen heute ins Nichts.

Robben – Noch nie in meinem Leben habe ich so viele Robben auf einem Haufen und von so nah gesehen. Sie lassen sich auf der Badedüne die Sonne auf ihre dicke Fettschicht scheinen und es sieht so aus, als ginge es ihnen richtig gut. Manche liegen auch nicht direkt an der Wasserkante, sondern etwas weiter oben, so dass man ihnen, wenn man nicht aufpasst, glatt auf die Flossen treten kann. Mit einem lauten Fauchen zwingen sie einen dann, wenigstens „Entschuldigung“ zu sagen.

Die siebziger Jahre sind hier an vielen Stellen noch lange nicht vorbei. Offenbar hat das Inselleben die Zeit konserviert, als noch viel mehr Besucher nach Helgoland kamen.

Unterland – Wäre nicht die ganze Insel autofrei, würde ich sagen, hier gibt es eine knapp hundert Meter lange Fußgängerzone. Jedenfalls reihen sich hier die Geschäfte aneinander, die vorwiegend für die Urlauber gedacht sind. Die Insulaner kaufen wahrscheinlich im Internet.

Vögel  Nahe der Langen Anna wohnen Vögel mit so lustigen Namen wie Trottellummen oder Baßtölpel. Dabei stellen sie sich im Flug gar nicht trottelig oder tölpelhaft an, sondern segeln sehr elegant durch die Lüfte, zum Greifen nah.

Wetter. Und meine Mutter sagte noch: „Zieh dich warm an, Kind.“ Recht hatte sie. Im März pfeift mir der Wind auf dem Weg zur Langen Anna heftig um die Ohren. Hätte ich bloß meine Skiunterwäsche dabei. Am Tag zuvor auf der Badedüne, die Helgoland vorgelagert ist, lässt es sich dagegen in einer geschützten Ecke sogar fast ohne Jacke aushalten.

Zahlen, die keinen interessieren, die ich aber trotzdem loswerden will: Auf der Insel leben 1.400 Einwohner. In diesem Jahr gibt es drei Konfirmanden, fünf Gerichtstage und sechs freie Stellen als Ausbooter. 184 Stufen verbinden Ober- und Unterland.

 

1 Kommentar

  1. Kommentar von Marion

    Marion März 2016 at 00:51

    Toll! Die Nordsee u vor allem stehen bei mir ganz oben auf der Bucket List. Sehr exotische Gegend für jmd aus Ostbayern 😉

Kommentar

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