Der berühmteste Dickhäuter in Weimar – Hotel Elephant

Februar 2016

Schon seit längerem fasziniert mich der Bauhaus-Stil. Deshalb finde ich es nur allzu logisch, nach Weimar zu fahren, um auf den Spuren der Bauhaus-Anfänge zu wandeln. Ein Hotel in diesem Stil habe ich zwar nicht entdeckt, aber dafür eins, das schon eine lange Geschichte hat.

Genau genommen ist es DAS Hotel in Weimar. Schon 1696 konnte man dort nächtigen. Goethe, Schiller und die Komponisten Bach, Liszt, Wagner, Mendelssohn-Bartholdy und viele andere Berühmtheiten der damaligen kulturellen Szene verkehrten hier. Es liegt direkt am Markt, also mittendrin in der Stadt, mittendrinner geht es nicht mehr. Die Häuser von Goethe und Schiller sind quasi um die Ecke, da hatten sie es nach dem einen oder anderen Glas Wein nicht mehr weit.

Warum das Hotel ausgerechnet „Elephant“ und nicht etwa „Zum Goldenen Hirschen“ heißt, bleibt im Dunkeln. Vielleicht war es damals modern, sich mit einem Hauch Exotik zu umgeben.

Wie bedeutend das Hotel Elephant war, erahne ich, als ich mir die kleine Ausstellung in der ersten Etage ansehe. Thomas Mann lässt seinen Roman „Lotte in Weimar“ hier spielen, Putin, Schröder und diverse Schauspieler waren hier und natürlich auch einige der Bauhaus-Meister wie Itten, Schlemmer und Schreyer.

Wenn sich so viel Prominenz hier niedergelassen hat, wird es mir womöglich auch gefallen. All die Klassiker aus Literatur und Musik hatten allerdings ein anderes Haus gesehen als ich, denn das Gebäude wurde 1937 komplett abgerissen und wieder neu aufgebaut. Zu der Zeit war noch Art Déco en vogue, deshalb dominieren schwarz, weiß, Chrom und klare Formen.

Mein Zimmer ist nicht übermäßig groß, aber interessant angeordnet. Das Bett steht nämlich schräg im Raum. Die Art-Déco-Elemente setzen sich im Badezimmer fort. Konsequent eingerichtet, so mag ich das.

Gleich bei der schön geschwungenen Treppe stehen ein paar Sessel im Flur, deren Design ebenfalls aus der damaligen Zeit stammt. Wenn ich durch die Flure gehe, habe ich ab und zu das Gefühl, in einer Ausstellung zu wohnen. Ich bedaure ein bisschen, dass ich nur eine Nacht hier bin. Irgendwo muss es in diesem Haus noch eine Bibliothek geben und auch die Gemäldesammlung hätte ich mir gern angesehen. Aber die Zeit ist leider knapp und das Bauhaus, der Anlass meiner Tour nach Weimar, ruft.

Um einen Eindruck von der Stadt zu bekommen, würde ich gern auswärts essen. Keine gute Idee, wie sich heausstellt. Das erste Restaurant, das ich aussuche, natürlich wie immer optimistisch ohne zu reservieren, beherbergt eine geschlossene Gesellschaft. Meine zweite Wahl: ein indisch-vegetarisches Restaurant. Mittlerweile ist es halb zehn, das Lokal ist sehr gut besucht. Gleich an der Tür werde ich abgewiesen mit der Begründung, das Restaurant schließe um zehn Uhr. Wie bitte? Es ist Samstag Abend! Ein weiteres Lokal, das ich, aus Erfahrung klug geworden, erst einmal google, schließt ebenfalls um 22 Uhr. Ich frage mich, wann hier wohl wochentags die Bürgersteige hochgeklappt werden. Mittlerweile ist es mir schon fast egal, Hauptsache der Magen wird gefüllt. Der Abend endet dann in einer Pizzeria. Irgendwie hatte ich mir das anders vorgestellt. Wäre ich nur im Hotelrestaurant, dem Elephantenkeller geblieben …

 

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