Mas Salagros – wo Entspannung auf Bio trifft

Oktober 2015

Eine Woche in einem Fünf-Sterne-Biohotel. Und zwar ganz in der Nähe meiner Lieblingsstadt Barcelona – Herz, was willst du mehr? Wenn es in unseren Breitengraden schon ungemütlich, feuchtkalt und dunkel wird, wärmt Spaniens Sonne immer noch Haut und Seele. Pardon, ich meine natürlich Kataloniens Sonne. Der aus spanischer Sicht so trotzige Nordosten ist tatsächlich anders als andere Gegenden der iberischen Halbinsel. Zu dieser ganz eigenen Kultur gehört die katalanische Sprache, aber auch die Castellers, die mich schwer beeindrucken. Mehr dazu hier.

Katalonien ist das wirtschaftliche Zugpferd Spaniens. Dies mag einer der Gründe sein, weshalb das für Spanien einmalige Projekt eines Biohotels genau hier angesiedelt ist. Es handelt sich um ein komplettes ökologisches Konzept, das sich durch alle Bereiche zieht, angefangen bei den Lebensmitteln über die Zimmerausstattung und Putzmittel bis hin zur Energieversorgung durch Biomasse.

 

Gebäude und Zimmer

Das Areal liegt etwas außerhalb des kleinen Ortes Vallromanes am Rande eines Naturparks. Ein holpriger Weg führt direkt zum Mas Salagros. 1497 wurde das Anwesen gegründet; das jetzige Landhaus stammt aus dem letzten Jahrhundert. Das ehemalige Wohnzimmer mit seiner Terrasse bietet Platz für morgendliches Yoga und Pranayama. Um mich gleich um 9 Uhr der indischen Gesundheitslehre hinzugeben, ist mir das Bett aber zu kuschelig. Ich finde, sich im Bett nochmal umzudrehen, fördert auch die Entspannung. Morgen mache ich mit, ganz bestimmt.

Alle anderen Gebäude wurden neu erbaut. Ein schönes Gefühl, zu den ersten Nutzern zu gehören. Suiten und Juniorsuiten liegen außer- und unterhalb des Haupthauses. Vom Balkon meines Zimmers sehe ich auf den Wald und höre morgens und abends die Grillen zirpen – das Geräusch des Sommers noch im Oktober! Drinnen ist es rustikal eingerichtet. Die Minibar bietet Wasser und Ananassaft, mal nicht zu Abzockerpreisen, sondern ganz und gar kostenlos. Bettwäsche und Handtücher bestehen aus Bio-Baumwolle und auch Seife, Shampoo, Spülung und Bodylotion, die wunderbar nach Lavendel duften, sind Bio-Produkte. Ich habe es nicht genau untersucht, aber ich wette, das komplette Bett besteht ebenfalls aus reinen Naturmaterialien, jedenfalls steht es so in der Hotelmappe. Und jetzt mal ein großes Lob an die Einrichter: wie kämpfe ich in südlichen Ländern jede Nacht mit der Kombination aus Laken und einer manchmal schon leicht müffelnden Decke, die beide so fest unter der Matratze stecken, das man morgens gebügelt aufwacht; es sei denn, man zieht alles wieder energisch heraus, um sich dann aber möglicherweise irgendwo im Decken-Laken-Gewirr zu verlieren. Hier schlüpfe ich unter eine Bettdecke, die mit einem Bezug versehen ist, so wie wir Mitteleuropäer es gern haben.

Ein schönes Detail, das ich in noch keinem anderen Hotel gefunden habe, ist die Strandtasche mt zwei Strandtüchern. Sie gehört zur Zimmerausstattung und ist nicht nur am Strand nützlich, sondern auch im Spa. Und obendrein schön anzusehen.

Was mir auch gut gefällt: im Empfangsbereich steht eine Flasche mit gut gekühltem Cava, an dem man sich jederzeit kostenlos bedienen kann. Für Antialkoholiker liegen auch Wasserflaschen im Eisbad.

In der ersten Etage gibt es eine Lounge mit mehreren Sitzgruppen und einem großen Tisch, an dem man auch arbeiten kann, was der Entspannung natürlich vollkommen zuwider läuft, aber wir Blogger lieben ja unseren Job.

Das Essen

Ich gebe es zu, an das Essen habe ich besondere Erwartungen: von einem Fünf-Sterne-Biohotel verspreche ich mir eine besondere Qualität der Zutaten und Zubereitung. Und ich muss sagen, sowohl das Mittag- als auch das Abendessen im Restaurant begeistern mich. Es ist abwechslungsreich und sehr kreativ zubereitet, auch das Auge kann getrost mitessen. In weiten Teilen Spaniens habe ich als Vegetarierin kein leichtes Leben. Mir bleibt häufig fast ausschlließlich die Tortilla Espanola, denn die meisten Spanier halten Vegetarismus für eine Art Krankheit und können sich eine Mahlzeit ohne Fleisch oder Fisch nicht vorstellen. Wie gut, dass es im Mas Salagros vegetarische Alternativen gibt! Die Küche geht auch auf Sonderwünsche für Veganer oder Menschen mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten ein.

In den meisten spanischen Haushalten spielt das Frühstück keine überragende Rolle. Ein Croissant, ein Kaffee und die Hoffnung auf ein reichhaltiges Mittagessen – das war’s. Gemessen daran, bietet das Frühstücksbüffet so einiges. Da stehen Reis-, Soja- und Hafermilch, Käse und Joghurt von Schaf, Ziege und Kuh. Ja, es gibt tatsächlich Ziegenjoghurt, und der ist gar nicht mal schlecht. Was ich besonders schätze, ist ein warmes Frühstück und so kann ich bei Kamut und Buchweizen mit Gemüse richtig zulangen.

Wo kommen eigentlich die Zutaten her? Beim Fleisch will ich es gar nicht wissen, aber ihr ahnt ja schon, warum. Alles, was es zu essen gibt, kommt aus ökologischem, regionalem Landbau. Das Hotel zeigt auch gern, wo Salate, Möhren, Fenchel und vieles mehr in der Erde stecken, bevor sie in der Küche landen. Die Felder im Süden Barcelonas am Fluss Llobregat geben mehr her, als das Hotel braucht, deshalb wird der größte Teil an die Bioladen-Kette Veritas verkauft. In der nächsten Saison soll das Gemüse direkt neben dem Hotelareal angebaut werden. Damit ist der kürzeste Weg vom Feld bis zum Kochtopf wohl garantiert.

Die Weine stammen aus dem Nachbardorf Alella und sind ebenfalls mit dem Biosiegel versehen.

Damit die gesunde Ernährung auch für zu Hause kein vager Vorsatz bleibt, lege ich selbst Hand an. In einer eigens dafür eingerichteten Küche findet einmal in der Woche ein Kochkurs statt. Mireia Anglada hat schon für das legendäre El Bulli unter Ferran Adrià gekocht und sich in Naturheilkunde und Chinesischer Medizin weitergebildet. Als sie uns die Zutaten präsentiert, lerne ich, wie gesund Chlorophyll ist, das in jeglichem Grünzeug steckt, warum Grünkohl derzeit so angesagt ist und weshalb man unbedingt Kurkuma zu sich nehmen soll. Nachdem sie die Rezepte in Grundzügen erklärt hat, machen sich zwanzig Leute an die Arbeit und schnippeln, reiben, kochen fröhlich durcheinander. Ein Riesenspaß! Und am Ende wird alles aufgegessen. Damit wäre der Beweis geliefert, dass viele Köche doch nicht den Brei verderben.

ZweiTage später darf ich mich in der echten Hotelküche umschauen. So sieht es dort aus.

 

Das Spa

Und dann wäre da noch das Spa. Im Übernachtungspreis inbegriffen ist die tägliche zweistündige Benutzung, zu der man sich vorher anmelden muss. Es sollen sich nämlich nicht mehr als 25 Personen darin aufhalten, damit es nicht zu trubelig wird. Niedrige Decken und stimmungsvolle Kerzenbeleuchtung sorgen für eine entspannte Atmosphöre. Einander gegenüber liegen ein sehr heißes Bad mit 39 Grad und ein kaltes mit 15 Grad, die ich nur kurz und sehr kurz ausprobiere. Im Salzbad hingegen kann ich mich stundenlang treiben lassen und auch das große Bad mit Sprudeldüsen, dessen größerer Teil draußen liegt, hat es mir angetan. Aus irgendeinem Grund bin ich leider am Dampfbad vorbei gelaufen. Tiefenentspannt lasse ich mich danach ins Bettchen fallen und wünsche mir, dass dieser Zustand nie mehr endet.

Die Umgebung

Es gibt tatsächlich Momente, da bin ich der Entspannung überdrüssig. Als Gegenmittel bietet sich als erstes ein Besuch in Barcelona an. Die Gegensätze sind allerdings gewaltig. Einerseits die Ruhe in der Natur, andrerseits die quirlige Metropole, die fast nie schläft. Deshalb habe ich mich entschieden, den nahe gelegenen Strand von El Masnou zu besuchen, der nur 15 Minuten mit dem Auto entfernt ist.

Ganz in der Nähe, in Sant Sadurni wird übrigens Cava, der spanische Sekt hergestellt. Mehr dazu gibt es hier.

Einen ganzen Tag habe ich in zwei schönen Küstenorten mit nur mäßigem Tourismus verbracht. Einfach hier klicken.

 

Fazit

Das Mas Salagros ist der ideale Ort für alle, die mal richtig ausspannen und sich etwas Gutes tun möchten. Bewusste, gesunde Ernährung mit hochwertigen Zutaten gepaart mit körperlicher und seelischer Entspannung – hier lassen sich die Batterien wieder aufladen.

Zweifellos hat das konsequente Bio-Konzept in einer mediterranen Umgebung eine Menge Potenzial. Hoffentlich wird es Nachahmer finden. Mehr davon!

Biohotels gibt es auch in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Italien und anderen europäischen Ländern. Sie alle verpflichten sich, strenge Richtlinien einzuhalten und werden zweimal jährlich von unabhängigen Prüfstellen auch unangemeldet überprüft.

Das war zwar mein erster Besuch in einem Biohotel, aber sicher nicht der letzte. Hoffentlich kommen zu den 90 bestehenden Häusern bald noch viele hinzu. Und wenn ich hier einen Wunsch äußern dürfte: sehr gern in der Nähe des Mittelmeeres.

Vielen Dank an das Mas Salagros und die Biohotels für die Einladung und den schönen Aufenthalt.

Mas Salagros – Eco Resort and Ancient Baths
Riera de Vallromanes, s/n,
08188 Vallromanes, Barcelona
Spanien

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