Freixenet lässt die Flaschen knallen

Oktober 2015

Sant Sadurni ist die Cava-Hauptstadt in Spanien, wobei „Stadt“ ein bisschen übertrieben ist. Eigentlich besteht der Ort nur aus Cava-Kellereien. Freixenet ist zweifellos die größte unter ihnen. Beinahe allerdings wäre daraus nichts gworden. Erst vernichtete eine Krankheit fast alle Weinstöcke und dann kam auch noch der spanische Bürgerkrieg dazwischen. Nachdem der Firmengründer im Krieg sein Leben lassen musste, baute seine Frau das Unternehmen wieder auf.

 

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Aus dem heimischen Supermarkt kenne ich nur die beiden Sorten Carta Nevada und Cordon Negro, aber hier in Spanien gibt es noch eine ganze Menge anderer Sorten. Sie unterscheiden sich durch den unterschiedlichen Verschnitt der Trauben Xarel·lo, Macabeo und Parellada. Der Cava wird nach der Methode Champagnoise hergestellt. Das bedeutet, dass der Most unter Zugabe von Hefe so lange vor sich hin gärt, bis der Zucker verbraucht ist. Damit hat die Hefe ihre Schuldigkeit getan und kann wieder aus der Flasche raus. Deshalb werden die Flaschen in ein Rüttelpult gesteckt, wo sie zunächst fast waagerecht lagern und jeden Tag ein wenig um die eigene Achse gedreht werden. Nach zwei Wochen werden sie langsam gekippt, bis sie nach einer weiteren Wochen auf dem Kopf steht, so dass sich die Hefe im Flaschenhals befindet. Dieser Teil der Flasche wird kurz und heftig schockgefrostet. Sodann öffnet man die Flasche und der gefrorene Hefepfropfen schießt heraus. Früher hat ein Rüttler ungefähr 40.000 Flaschen täglich bewegt; die heutigen Maschinen schaffen natürlich ein Mehrfaches davon.

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So ganz ohne Zucker, den die Hefe ja für die alkoholische Gärung verbraucht hat, kommt nur die Sorte Brut Nature aus. Allen anderen wird Zucker und Wein hinzugefügt und nun startet die zweite Gärung. Nach Gärung riecht es übrigens überall. Im schummrigen Licht steigen wir immer weiter hinunter in die Kellereien, bis wir in zwanzig Meter Tiefe angekommen sind. Um mich herum lagern Millionen von Flaschen, alle in der Standardgröße 0,75l. Wer auch nur einmal die Siegerehrung bei der Formel 1 gesehen hat, weiß, dass es für die obligatorische Sektdusche größere Flaschen praktisch sind. Die Rennfahrer machen mit drei Litern Champagner ihre Späße. Es geht aber auch noch größer. Jede Flaschengröße hat einen eigenen Namen, der weltweit normiert ist. Nebukadnezar mit 15 Litern Inhalt kann schon nicht mehr allein gestemmt werden, sondern kommt für den Ausschank in eine spezielle Vorrichtung.

Ein Elektrogefährt kutschiert die Besuchergruppe nun in Windeseile durch die unzähligen Gänge der Lagerung. Flaschen türmen sich zu riesigen Wänden auf. Ab und zu fehlt mal eine. Es kommt vor, dass das Glas dem Druck, der sich durch die Gärung aufgebaut hat, nicht mehr standhält und trotz des gewölbten Flaschenbodens explodiert. Immerhin muss die Flasche sechs bis sieben bar aushalten.

Jetzt im Oktober ist die Ernte gerade abgeschlossen und Freixenet bereitet sich auf den neuen Jahrgang vor. Deshalb ruht gerade die Abfüllung.

Vom schwach beleuchteten Keller wieder in der richtigen Jetzt-Zeit angekommen, führt uns Laura an der Abfüllanlage vorbei. Helles Licht, stahlglänzende Maschinen und Förderstraßen zeigen, dass aus den Anfängen von 1914 ein modernes Unternehmen geworden ist, dass Marktführer für Cava ist.

Nur wenige Kilometer entfernt bietet auch Cordoniu Führungen durch seine Kellereien. Inmitten der Weinstöcke steht hier ein Architektur-Sahnestückchen, das ich auch noch gern besucht hätte. Leider ist es aber heute wegen eines Events geschliossen. Schade! Dann tröste ich mich halt mit einem Gläschen der Konkurrenz …

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Daten und Fakten

Führungen bei Freixenet finden täglich statt, und zwar auf spanisch, englisch oder deutsch. Man muss sich unbedingt vorher anmelden. Am besten geht das über die Freixenet-Website. Die Führung kostet 7,50 pro Person und dauert 90 Minuten
(Stand Oktober 2015).

Sant Sadurni ist die Cava-Hauptstadt in Spanien, wobei „Stadt“ ein bisschen übertrieben ist. Eigentlich besteht der Ort nur aus Cava-Kellereien. Freixenet ist zweifellos die größte unter ihnen. Beinahe allerdings wäre daraus nichts gworden. Erst vernichtete eine Krankheit fast alle Weinstöcke und dann kam auch noch der spanische Bürgerkrieg dazwischen. Nachdem der Firmengründer im Krieg sein Leben lassen musste, baute seine Frau das Unternehmen wieder auf.

 

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Aus dem heimischen Supermarkt kenne ich nur die beiden Sorten Carta Nevada und Cordon Negro, aber hier in Spanien gibt es noch eine ganze Menge anderer Sorten. Sie unterscheiden sich durch den unterschiedlichen Verschnitt der Trauben Xarel·lo, Macabeo und Parellada. Der Cava wird nach der Methode Champagnoise hergestellt. Das bedeutet, dass der Most unter Zugabe von Hefe so lange vor sich hin gärt, bis der Zucker verbraucht ist. Damit hat die Hefe ihre Schuldigkeit getan und kann wieder aus der Flasche raus. Deshalb werden die Flaschen in ein Rüttelpult gesteckt, wo sie zunächst fast waagerecht lagern und jeden Tag ein wenig um die eigene Achse gedreht werden. Nach zwei Wochen werden sie langsam gekippt, bis sie nach einer weiteren Wochen auf dem Kopf steht, so dass sich die Hefe im Flaschenhals befindet. Dieser Teil der Flasche wird kurz und heftig schockgefrostet. Sodann öffnet man die Flasche und der gefrorene Hefepfropfen schießt heraus. Früher hat ein Rüttler ungefähr 40.000 Flaschen täglich bewegt; die heutigen Maschinen schaffen natürlich ein Mehrfaches davon.

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So ganz ohne Zucker, den die Hefe ja für die alkoholische Gärung verbraucht hat, kommt nur die Sorte Brut Nature aus. Allen anderen wird Zucker und Wein hinzugefügt und nun startet die zweite Gärung. Nach Gärung riecht es übrigens überall. Im schummrigen Licht steigen wir immer weiter hinunter in die Kellereien, bis wir in zwanzig Meter Tiefe angekommen sind. Um mich herum lagern Millionen von Flaschen, alle in der Standardgröße 0,75l. Wer auch nur einmal die Siegerehrung bei der Formel 1 gesehen hat, weiß, dass es für die obligatorische Sektdusche größere Flaschen praktisch sind. Die Rennfahrer machen mit drei Litern Champagner ihre Späße. Es geht aber auch noch größer. Jede Flaschengröße hat einen eigenen Namen, der weltweit normiert ist. Nebukadnezar mit 15 Litern Inhalt kann schon nicht mehr allein gestemmt werden, sondern kommt für den Ausschank in eine spezielle Vorrichtung.

Ein Elektrogefährt kutschiert die Besuchergruppe nun in Windeseile durch die unzähligen Gänge der Lagerung. Flaschen türmen sich zu riesigen Wänden auf. Ab und zu fehlt mal eine. Es kommt vor, dass das Glas dem Druck, der sich durch die Gärung aufgebaut hat, nicht mehr standhält und trotz des gewölbten Flaschenbodens explodiert. Immerhin muss die Flasche sechs bis sieben bar aushalten.

Jetzt im Oktober ist die Ernte gerade abgeschlossen und Freixenet bereitet sich auf den neuen Jahrgang vor. Deshalb ruht gerade die Abfüllung.

Vom schwach beleuchteten Keller wieder in der richtigen Jetzt-Zeit angekommen, führt uns Laura an der Abfüllanlage vorbei. Helles Licht, stahlglänzende Maschinen und Förderstraßen zeigen, dass aus den Anfängen von 1914 ein modernes Unternehmen geworden ist, dass Marktführer für Cava ist.

Nur wenige Kilometer entfernt bietet auch Cordoniu Führungen durch seine Kellereien. Inmitten der Weinstöcke steht hier ein Architektur-Sahnestückchen, das ich auch noch gern besucht hätte. Leider ist es aber heute wegen eines Events geschliossen. Schade! Dann tröste ich mich halt mit einem Gläschen der Konkurrenz …

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