Athos – aus der Zeit gefallen

Juli 2015

Ein kleines Stückchen Land in Europa wird mir für immer ein Mythos bleiben. Weder Helikopter noch Gesinnung, Ganzkörperschleier oder die schwarze Kreditkarte werden mir helfen, jemals einen Fuß auf Athos zu setzen. Immerhin darf ich mich mit dem Schiff bis auf 500 Meter dem östlichen Finger der griechischen Halbinsel Chalkidiki nähern. Angeblich hatte sich Lady Di innerhalb des Sperrgebiets ins Wasser gleiten lassen und wurde unmittelbar von der Polizei zurückgepfiffen. Wenn es schon die ehemalige Königin der Herzen mit ihrem millionenschweren Lover im Schlepptau nicht schafft, wer dann?

Gleich hinter Ouranoupolis holpert ein schmaler, unbefestigter Weg zur Grenze der autonomen Mönchsrepublik Athos. Riesige Warnschilder, Stacheldraht, Mauer – eben das ganze Programm, das man braucht, um eindrücklich zu zeigen, dass hier Schluss ist. Einzig das unspektakuläre, grüne Gartentor fällt ein wenig aus dem Rahmen.

 

Grenze zur autonomen Mönchsrepublik Athos

Grenze zur autonomen Mönchsrepublik Athos

Es sieht harmlos aus, aber durchgehen darf man hier auf keinen Fall

Es sieht harmlos aus, aber durchgehen darf man hier auf keinen Fall

 

Dahinter beginnt der Garten der Mutter Gottes, der von etwa 2000 orthodoxen Mönchen bewohnt und beackert wird, und das nun schon seit über tausend Jahren. Seitdem hat zu Ehren der heiligen Maria kein weibliches Wesen mehr dieses wohl recht unwegsame Gebiet betreten. Und mit Wesen meine ich nicht nur Menschen, sondern auch Haustiere. Katzen und Hennen bekommen ein Dauervisum, weil Eier und Mäusejäger gebraucht werden.

 

Ouranoupolis

Ouranoupolis

Hier gibt es jede Menge Devotionalien zu kaufen

Hier gibt es jede Menge Devotionalien zu kaufen

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Wir müssen leider draußen bleiben

Wir müssen leider draußen bleiben

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Athos gewährt nur über den Seeweg Einlass. Von Ouranopolis aus fahren Schiffe zur Grenzstation Dafni, um Pilger in die Klöster zu bringen. Eine begrenzte Anzahl von Männern darf sich maximal drei Tage in der Mönchsrepublik aufhalten, aber auch nur, wenn sie ein Visum mit polizeilichem Führungszeugnis und 35 Euro vorweisen. Kost und Logis sind darin enthalten.

Die Mönche verteilen sich auf zwanzig Klöster; vorwiegend griechische, es gibt aber auch russische, bulgarische, rumänische und serbische. Sie leben in ihrer eigenen Welt und sogar in einer eigenen Zeit. Als einer der wenigen Orte auf dieser Welt folgt Athos noch dem julianischen Kalender, der unserem gregorianischen Kalender um 13 Tage nachläuft.

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Auf dem Berg Athos werden hochwertige Weine produziert. Das Aushängeschild schlechthin ist der Kreml-Wein. Jährlich werden 3000 Flaschen abgefüllt, wovon nur 15% in den freien Handel gelangen. Der Rest geht direkt nach Moskau. Wer in den Genuss kommen möchte zu trinken wie Putin in Russland, muss 180 Euro für eine Flasche hinblättern.

Die Mönche ernähren sich ganz besonders gesund und lassen einmal pro Jahr vier Wochen lang auch die Außenwelt im Rahmen des Fests der Mönchsküche daran teilhaben. Mönch Epifanios reist hierzu nach Ouranoupolis an und bekocht die geladenen Gäste im Eagles Palace Hotel, dem renommiertesten Hotel von Chalkidiki. Zum diesjährigen Event ist er leider krank und so vertritt ihn die in Deutschland geborene Fernsehköchin Giota Polychonidou. Sie erzählt: „Die Mönche braten und frittieren nicht, sondern kochen ausschließlich. Sie essen kein Fleisch, wohl aber Fisch und Meeresfrüchte.“ Dabei kommen Produkte der Region in Bioqualität auf den Tisch. Gewürzen werden sparsam dosiert; stattdessen geben Kräuter den Gerichten das Aroma. Nebenbei erfahre ich auch noch, dass das, was griechische Lokale in Deutschland anbieten, nur sehr wenig mit der griechischen Küche in Griechenland zu tun hat und eher eine Erfindung der griechischen Gastarbeiter in den 60er Jahren ist.

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Essen direkt am Strand

Essen direkt am Strand

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In meiner Einfalt dachte ich immer, dass es sich bei „Ouzo“ um einen Anisschnaps handelt. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Mit Ouzo wird nämlich auch ein Mittagsmenü bezeichnet, das aus vielen kleinen Gerichten und Salaten besteht, so eine Art Antipasti auf Griechisch. Das berühmte Getränk gehört natürlich dazu. So viel „Yamas“ (Prost) hatte ich schon lange nicht mehr am hellichten Tag und ich bin froh, dass ich das alles nach dem Essen in Ruhe und liegend verstoffwechseln kann. Die Steigerung von Ouzo ist übrigens Tsipouro mit mehr als 40% Alkohol. Den nehme ich mir dann als nächste Lektion vor.

 

Zu dieser Reise wurde ich eingeladen von der Mount Athos Area Organization. Vielen Dank für die Einladung in eine für mich neue Welt!

4 Kommentare

  1. Kommentar von Ines

    Ines Juli 2015 at 22:16

    Bin gerade auf Deinen Blog und diesen wunderbaren Artikel gestoßen. Superschön geschrieben und Erinnerungen geweckt. Ich war schon oft auf der Chalkidiki und kenne Athos. Natürlich nur vom Wasser aus. Viele Grüße, Ines

  2. Kommentar von monika

    monika Juli 2015 at 22:52

    Vielen Dank, schön, dass dir der Artikel gefällt :-) Ich freue mich, dass ich deine Erinnerungen an dieses ungewöhnliche Fleckchen Erde auffrischen konnte.

  3. Kommentar von Anna

    Anna Juli 2015 at 23:40

    Ein wirklich toller Artikel! Die Faszination, die von Athos ausgeht, kann ich absolut verstehen und finde deinen Bericht wirklich gut geschrieben. Außerdem sind die Fotos klasse!

    Herzlich,
    Anna

  4. Kommentar von monika

    monika Juli 2015 at 07:58

    Vielen Dank, Anna! Ich freue mich, dass dir der Artikel gefällt!

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