Eine Reise mit dem Schiff – der Weg ist das Ziel

Juni 2015

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111 Orte an der Côte d’Azur, die man gesehen haben muss – da fallen mir spontan die Promenade des Anglais in Nizza und das Casino in Monaco ein. Über die 109 weiteren müsste ich ein bisschen nachdenken. Der Autor Ralf Nestmeyer klappert aber nicht die touristischen Hotspots ab, sondern beschreibt Orte, die nicht unbedingt große Geschichte geschrieben haben. Das Maronenparadies, ein spektakulärer Hochzeitssaal, für den auch Paare aus Japan anreisen, eine Eisdiele für Basilikumeis, Gartenträume. Endlich weiß ich auch, was es mit den französischen Kreiseln auf sich hat und weshalb man in Monaco ausgiebig Rolltreppen fahren kann. Alle 111 Stationen sind mit kleinen Anekdoten verbunden, die so ganz nebenbei viel über die Region preisgeben. Und genau das ist es, was mir an diesem Buch so gefällt.

Weil die Artikel so schön im Plauderton daher kommen, habe ich kaum eine Seite ausgelassen, auch wenn mich ein Thema nicht so sehr interessiert. Praktischerweise sind auch Adressen und Öffnungszeiten sowie Tipps als Zugabe dabei.

Kann sein, dass ich mir keine Sandalen für hundert Euro in dem Laden kaufe, dem damals Brigitte Bardot mit ihren Schuhkäufen zu Ruhm verholfen hat. Kann auch sein, dass ich den Grenzbahnhof von Saint-Delmas-de-Tende nicht besuche. Aber es gibt mindestens 30 Orte, die ich unbedingt sehen möchte. Wie gut, dass meine Reise an die Côte d’Azur schon bald beginnt. Nach dieser Lektüre kann ich’s kaum abwarten.

Das erste Mal ist immer etwas Besonderes. Mein erstes Mal ist heute eine Begegnung mit einem Transportmittel, das ich bisher, aus welchen Gründen auch immer, noch nicht genutzt habe. Ein Schiff, das fast 3000 Passagiere und ich weiß nicht wie viele Autos und Busse über die Ostsee bringt, fehlte noch in meinem Repertoire.

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Schon beim Anblick vom Stockholmer Fährhafen aus auf dieses riesige, weiße Etwas steigt die Vorfreude. Kaum habe ich das Schiff betreten, weist mir ein freundlicher Uniformierter den Weg zum passenden Fahrstuhl. Deck 11, nur eine Etage unter der Kommandozentrale! Das verspricht eine wunderbare Aussicht auf eine Gegend, die mir ganz neu ist. Ich gebe zu, dass Skandinavien bisher nicht sehr weit oben auf meiner Liste stand. Wenn alles gut geht, werde ich morgen früh in Helsinki sein. Wir setzen uns in Bewegung und gleiten durch die Schären. Schon nach zehn Minuten frage ich mich, weshalb es so lange dauern musste, bis ich mich auf Nordeuropa eingelassen habe. Kleine und kleinste Inseln mit ein, zwei rot-weißen Häuschen und einer Anlegestelle für das hauseigene Boot leuchten im Abendlicht. So romantisch-friedlich. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, eine Woche dort zu verbringen, dazu sehe ich zu gern in die Gesichter von Menschen und nicht in die von Hasen und Füchsen, die sich bestimmt jeden Abend „Gute Nacht“ sagen.

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Hier an Bord sind auf jeden Fall genug Menschen, die Bordansage schnarrt sogar auf Chinesisch durch die Lautsprecher. Tatsächlich sehe ich eine Menge Asiaten, aber auch sehr viele Kinder, die mit der Familie auf dem Weg in die Ferien sind. Auf dem obersten Deck werden sie von Animateuren bespaßt oder bespaßen sich selbst im Innenpool.

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Die "Flaniermeile"

Die „Flaniermeile“

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Fünf Restaurants mit unterschiedlichen Schwerpunkten bieten alles für Gourmets und auch Gourmands. Die kleinen und sehr feinen Portionen gibt es im „Bon Vivant“. Absolut hingerissen hat mich das Dessert: Veilcheneis mit Lakritz. Wer mir das Rezept verrät, dem verspreche ich eine Belohnung.

Auch für Vegetarier ist gesorgt

Auch für Vegetarier ist gesorgt

Veilcheneis mit Süßholz - ein Gedicht

Veilcheneis mit Süßholz – ein Gedicht

Wenn ich nicht gerade aus dem Fenster schaue, habe ich nicht mehr das Gefühl, auf einem Schiff zu sein. Man muss sich schon sehr konzentrieren, um irgendwelche Bewegungen wahrzunehmen.

Der Abend schreitet voran und auf der schiffseigenen Bühne ist jetzt Showtime. Tänzer mit endloser Kondition und knappen Kostümchen sorgen für Kurzweil, anschließend darf und soll das Publikum selbst zappeln. Nicht-Tänzer können derweil ihr Geld im Casino verscherbeln vermehren oder im Pub die Getränkekarte rauf und runter trinken.

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Am nächsten Morgen ziehen die Schären immer noch oder schon wieder vorbei, einfach zu schön.

Bisher war ich immer mit dem Flugzeug unterwegs. Ein paar Stunden in einer engen Blechbüchse und schwupp, schon war ich in einer anderen Welt. An diese gemächlichere Art des Reisens kann ich mich gut gewöhnen, ja ich halte auch eine Kreuzfahrt nicht mehr für ausgeschlossen. Oder ich setze mich mal in die Transsibirische Eisenbahn. Manchmal wundere ich mich über mich selbst.

 

Zu dieser Reise hat mich die Tallink Silja Line eingeladen. Vielen Dank, dass ich mal wieder etwas Neues ausprobieren konnte! Von selbst wäre ich wohl nicht auf die Idee gekommen, Helsinki zu besuchen.

 

Bei Evas Reise mit der Tallink Silja war die See wohl etwas rauer: Hier geht es nochmal über die Ostsee, aber nach Tallinn.

2 Kommentare

  1. Kommentar von Eva

    Eva Juni 2015 at 12:31

    Oh, da ist er, der Bericht auf den ich schon gewartet habe 😉 Mir scheint, das Helsinki Schiff ist ne ganze Nummer größer als unseres nach Tallin. Eine Flaniermeile gab es bei uns nicht und auch kein 11. Deck. Mit dem Wetter hast du wohl auch mehr Glück gehabt. Alles richtig gemacht, Monika!

  2. Kommentar von monika

    monika Juni 2015 at 13:27

    Hallo Eva, diese Reise hat mir wirklich Spaß gemacht. Ich könnte mich glatt an solche Schiffe gewöhnen. Wenn uns die Sonne schon in Griechenland nicht hold war, habe ich sie wenigstens in Helsinki und Stockholm gefunden ;-). Ich verlinke auch gleich deine(n) Artikel.

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