Italiens längste Schlemmermeile

Mai 2015

Im Lateinunterricht hat sie mir viel Kopfzerbrechen bereitet, aber seit Neuestem bin ich mehr als versöhnt mit der Via Emilia. Entlang dieser mehr als 2000 Jahre alten Straße liegen nämlich Parma, Reggio Emilia, Modena und Bologna. Als Fan der italienischen Küche habe ich das kulinarische Paradies gefunden, denn Parmaschinken, Parmesan, Pasta, Balsamico haben hier ihren Ursprung. Bis auf die Pasta benötigen diese Köstlichkeiten eine lange Reifezeit, bis sie richtig gut schmecken. Unter zwei Jahren läuft da gar nichts, und für den Balsamico dürfen auch mal 25 Jahre ins Land gehen, bis er auf den Teller kommt.

 

Bologna – regenschirmfreie Zone

Spaghetti bolognese steht in Bologna auf keiner Speisekarte, die Fleischsoße kommt nämlich original mit Tagliatelle und nicht mit Spaghetti daher. Geradezu zelebriert werden die handgemachten Tortellini und Tortelloni in den Schaufensterauslagen. Ich ärgere mich schon, dass ich nur mit Handgepäck unterwegs bin. Das eine oder andere Kilo selbstgemachte Pasta würde ich schon gern mitnehmen. Das Eis hingegen lässt mir keine Wahl, das esse ich an Ort und Stelle. Bei Il Gelatauro in der Via San Vitale überkommen mich ganz unerwartet Kindheitsgefühle: dieses Eis schmeckt genauso cremig wie das, das ich damals für 50 Pfennig zu Hause in der Eisdiele Miramare bekam. Oder ist es am Ende nur verklärte Erinnerung? Wie dem auch sei: Pistaccio landet auf Platz eins meiner persönlichen Eis-Hitliste, dicht gefolgt von Amarena der Gelateria Delle Moline.

Zwischen den Mahlzeiten kann man sich wunderbar durch den Mercato di Mezzo essen. Kleine feine Stände helfen über den größten Hunger hinweg.

Menschen wuseln Tag und Nacht durch die Innenstadt, viele davon sind Studenten. Immerhin rühmt sich Bologna, Sitz der ältesten Universität Europas zu sein. Die Piazza Verdi scheint ein Zentrum für die politisch Engagierten zu sein, die sich für eine bessere Welt einsetzen.

Selbst wenn es mal regnen sollte, kommt man trockenen Fußes durch die Stadt: stolze 37 Kilometer kann man unter Arkaden wandeln. Die Fassaden der alten Häuser leuchten allesamt in Gelb-, Ocker- und Rottönen, was der Stadt ein altehrwürdiges Aussehen verleiht.

 

Ein Abend in Modena

Das Licht eines warmen Frühlingstages nimmt diesen weichen, sanften Ton an. Dazu passend ist die Stimmung auf den Straßen. Modena ist eher die Ruhige, wenigstens heute am späten Nachmittag. Gleichgültig, welche Straße im Zentrum ich wähle – alle Wege führen zum Dom. Auf der Piazza Grande sitzen ein paar Männer auf einer Bank und kommentieren vermutlich das Tagesgeschehen. Zwei Espressi und eine Altstadtumrundung später sitzen sie immer noch da, allerdings in leicht geänderter Besetzung. Hektik findet woanders statt. Inzwischen ist die Dämmerung der Dunkelheit gewichen und die historischen Gebäude sind beleuchtet. Auch hier ranken sich die Bogengänge durch die Straßen. Die Stadt des berühmten Aceto Balsamico gibt sich romantisch. Mehr zum Balsamico gibt es hier.

 

Reggio Emilia – die Stadt der netten Menschen

Modena und Parma halten Reggio Emilia für die kleine, liederliche Schwester. Angeblich liegt es daran, dass beide Städte früher Sitze von Fürsten waren, Reggio Emilia jedoch nicht. Möglichweise sind es auch lieb gewonnene lokale Feindschaften wie die zwischen Köln und Düsseldorf. Als ich in Modena einer Dame sage, dass ich in Reggio Emilia übernachte, rümpft sie deutlich die Nase und empfiehlt dringend, nach Parma zu fahren. Verstehe ich nicht. Ich mag Reggio Emilia: das Gassenknäuel rund um die Via Emilia, die eleganten Geschäfte, die freundlichen Menschen, die zentrale Piazza und natürlich den Käse. Nur der echte Parmesan trägt die eingepunktete Aufschrift „Parmigiano Reggiano“ und genau von hier kommt er. In allen Städten der Emilia Romagna liegen die großen Laibe in den Auslagen. Hergestellt wird er in kleinen Orten rund um Reggio Emilia, wo man ihn auch direkt verkosten und kaufen kann.

Auch hier wird die Pasta von Hand gemacht. Und ich kann zuschauen. Nachdem ich mir eine Weile die Nase an der Fensterscheibe platt gedrückt habe, um den Frauen beim Bändigen des Teiges zuzusehen, winkt mir eine von ihnen zu und gibt mir zu verstehen, dass ich reinkommen soll. Mach ich doch gern. Sodann legt sie sich mit einem tischtuchgroßen Stück Teig an und bereitet es zur Weiterverarbeitung vor. Ihre Kolleginnen schneiden derweil Tagliatelle und formen Tortelloni – alles in Handarbeit. Dabei sind sie bester Stimmung.

So ungefähr ab 17 Uhr ist es Zeit für einen Aperitivo auf der Piazza Camillo Prampolini. Ich entscheide mich klassisch für einen Aperol Spritz. Alle Aperitivi kommen in Begleitung von Oliven, Chips, kleinen Dips und anderen Kleinigkeiten. Der Fantasie der Bars sind keine Grenzen gesetzt. Mit so einem Gedeck bereitet man sich aufs Abendessen vor. Variante zwei: das Abendessen bleibt in der Küche und stattdessen gibt es noch einen Aperitivo mit Anhang, an dem man sich so lange festhält, bis die Kellner die Stühle hinein tragen.

 

Parmas Schweinepopos

So langsam schwirrt mir den Kopf von all den Vias Farini, Toschi, Verdi, Trento, die es hier in jeder Stadt gibt. Mehr als anderswo hängen die Schinken von den Decken und werden in handlichen Stücken oder auch in hauchdünnen Scheiben verkauft. Für die Lieben zu Hause lasse ich mir ein paar Hundert Gramm schneiden, die mir die Verkäuferin vakuumverpackt, damit sie den Transport über die Alpen schadlos überstehen. Neben dem klassischen Parmaschinken gibt es noch den Culatello, der in Kellern bei einer bestimmten Luftfeuchtigkeit reift, vorzugsweise im Ort Zibello.

Gut essen kann man in Parma auch, sagte ich das schon? In der Trattoria del Tribunale habe ich es endgültig übertrieben und danach die nächste Mahlzeit ersatzlos gestrichen. Aber wer kann schon bei einem Flan alla parmigiana, dreierlei Sorten hausgemachter Tortelli und einer Panna cotta widerstehen?

Weitere Artikel über die Emilia Romagna:

Balsam für die Zunge

 

Im Lateinunterricht hat sie mir viel Kopfzerbrechen bereitet, aber seit Neuestem bin ich mehr als versöhnt mit der Via Emilia. Entlang dieser mehr als 2000 Jahre alten Straße liegen nämlich Parma, Reggio Emilia, Modena und Bologna. Als Fan der italienischen Küche habe ich das kulinarische Paradies gefunden, denn Parmaschinken, Parmesan, Pasta, Balsamico haben hier ihren Ursprung. Bis auf die Pasta benötigen diese Köstlichkeiten eine lange Reifezeit, bis sie richtig gut schmecken. Unter zwei Jahren läuft da gar nichts, und für den Balsamico dürfen auch mal 25 Jahre ins Land gehen, bis er auf den Teller kommt.

 

Bologna – regenschirmfreie Zone

Spaghetti bolognese steht in Bologna auf keiner Speisekarte, die Fleischsoße kommt nämlich original mit Tagliatelle und nicht mit Spaghetti daher. Geradezu zelebriert werden die handgemachten Tortellini und Tortelloni in den Schaufensterauslagen. Ich ärgere mich schon, dass ich nur mit Handgepäck unterwegs bin. Das eine oder andere Kilo selbstgemachte Pasta würde ich schon gern mitnehmen. Das Eis hingegen lässt mir keine Wahl, das esse ich an Ort und Stelle. Bei Il Gelatauro in der Via San Vitale überkommen mich ganz unerwartet Kindheitsgefühle: dieses Eis schmeckt genauso cremig wie das, das ich damals für 50 Pfennig zu Hause in der Eisdiele Miramare bekam. Oder ist es am Ende nur verklärte Erinnerung? Wie dem auch sei: Pistaccio landet auf Platz eins meiner persönlichen Eis-Hitliste, dicht gefolgt von Amarena der Gelateria Delle Moline.

Zwischen den Mahlzeiten kann man sich wunderbar durch den Mercato di Mezzo essen. Kleine feine Stände helfen über den größten Hunger hinweg.

Menschen wuseln Tag und Nacht durch die Innenstadt, viele davon sind Studenten. Immerhin rühmt sich Bologna, Sitz der ältesten Universität Europas zu sein. Die Piazza Verdi scheint ein Zentrum für die politisch Engagierten zu sein, die sich für eine bessere Welt einsetzen.

Selbst wenn es mal regnen sollte, kommt man trockenen Fußes durch die Stadt: stolze 37 Kilometer kann man unter Arkaden wandeln. Die Fassaden der alten Häuser leuchten allesamt in Gelb-, Ocker- und Rottönen, was der Stadt ein altehrwürdiges Aussehen verleiht.

 

Ein Abend in Modena

Das Licht eines warmen Frühlingstages nimmt diesen weichen, sanften Ton an. Dazu passend ist die Stimmung auf den Straßen. Modena ist eher die Ruhige, wenigstens heute am späten Nachmittag. Gleichgültig, welche Straße im Zentrum ich wähle – alle Wege führen zum Dom. Auf der Piazza Grande sitzen ein paar Männer auf einer Bank und kommentieren vermutlich das Tagesgeschehen. Zwei Espressi und eine Altstadtumrundung später sitzen sie immer noch da, allerdings in leicht geänderter Besetzung. Hektik findet woanders statt. Inzwischen ist die Dämmerung der Dunkelheit gewichen und die historischen Gebäude sind beleuchtet. Auch hier ranken sich die Bogengänge durch die Straßen. Die Stadt des berühmten Aceto Balsamico gibt sich romantisch. Mehr zum Balsamico gibt es hier.

 

Reggio Emilia – die Stadt der netten Menschen

Modena und Parma halten Reggio Emilia für die kleine, liederliche Schwester. Angeblich liegt es daran, dass beide Städte früher Sitze von Fürsten waren, Reggio Emilia jedoch nicht. Möglichweise sind es auch lieb gewonnene lokale Feindschaften wie die zwischen Köln und Düsseldorf. Als ich in Modena einer Dame sage, dass ich in Reggio Emilia übernachte, rümpft sie deutlich die Nase und empfiehlt dringend, nach Parma zu fahren. Verstehe ich nicht. Ich mag Reggio Emilia: das Gassenknäuel rund um die Via Emilia, die eleganten Geschäfte, die freundlichen Menschen, die zentrale Piazza und natürlich den Käse. Nur der echte Parmesan trägt die eingepunktete Aufschrift „Parmigiano Reggiano“ und genau von hier kommt er. In allen Städten der Emilia Romagna liegen die großen Laibe in den Auslagen. Hergestellt wird er in kleinen Orten rund um Reggio Emilia, wo man ihn auch direkt verkosten und kaufen kann.

Auch hier wird die Pasta von Hand gemacht. Und ich kann zuschauen. Nachdem ich mir eine Weile die Nase an der Fensterscheibe platt gedrückt habe, um den Frauen beim Bändigen des Teiges zuzusehen, winkt mir eine von ihnen zu und gibt mir zu verstehen, dass ich reinkommen soll. Mach ich doch gern. Sodann legt sie sich mit einem tischtuchgroßen Stück Teig an und bereitet es zur Weiterverarbeitung vor. Ihre Kolleginnen schneiden derweil Tagliatelle und formen Tortelloni – alles in Handarbeit. Dabei sind sie bester Stimmung.

So ungefähr ab 17 Uhr ist es Zeit für einen Aperitivo auf der Piazza Camillo Prampolini. Ich entscheide mich klassisch für einen Aperol Spritz. Alle Aperitivi kommen in Begleitung von Oliven, Chips, kleinen Dips und anderen Kleinigkeiten. Der Fantasie der Bars sind keine Grenzen gesetzt. Mit so einem Gedeck bereitet man sich aufs Abendessen vor. Variante zwei: das Abendessen bleibt in der Küche und stattdessen gibt es noch einen Aperitivo mit Anhang, an dem man sich so lange festhält, bis die Kellner die Stühle hinein tragen.

 

Parmas Schweinepopos

So langsam schwirrt mir den Kopf von all den Vias Farini, Toschi, Verdi, Trento, die es hier in jeder Stadt gibt. Mehr als anderswo hängen die Schinken von den Decken und werden in handlichen Stücken oder auch in hauchdünnen Scheiben verkauft. Für die Lieben zu Hause lasse ich mir ein paar Hundert Gramm schneiden, die mir die Verkäuferin vakuumverpackt, damit sie den Transport über die Alpen schadlos überstehen. Neben dem klassischen Parmaschinken gibt es noch den Culatello, der in Kellern bei einer bestimmten Luftfeuchtigkeit reift, vorzugsweise im Ort Zibello.

Gut essen kann man in Parma auch, sagte ich das schon? In der Trattoria del Tribunale habe ich es endgültig übertrieben und danach die nächste Mahlzeit ersatzlos gestrichen. Aber wer kann schon bei einem Flan alla parmigiana, dreierlei Sorten hausgemachter Tortelli und einer Panna cotta widerstehen?

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Balsam für die Zunge

 

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