Hannover, die ewig Unterschätzte

Juni 2013

Hallo Hannover, wie geht’s denn so?

Immer besser. Wie du siehst, bin ich gar nicht so grau, wie manche immer noch behaupten. Wenn du nicht so oft nach Berlin gefahren wärst, hättest du das auch schon früher sehen können.

Naja, Berlin ist eben aufregend und hip. Immerhin habe ich dich ja auch stets eine halbe Stunde besucht.

Weil dich die Bahn dazu gezwungen hat. Wusstest du eigentlich, dass hier so viele ICEs halten wie in keiner anderen deutschen Stadt? Ich liege nämlich auf der Nord-Süd- und der Ost-West-Achse. Und wenn wir schon bei den Superlativen sind: meine grüne Lunge, die Eilenriede, ist der größte Stadtwald Europas, doppelt so groß wie der New Yorker Central Park. Und dann noch das reinste Hochdeutsch, die weltgrößte Industrie-Messe, die EXPO 2000 als einzige Weltausstellung auf deutschem Boden, …

Ja, ja schon gut. Ich sehe die Perlen, mit denen du dich schmückst. Aber was ist mit den inneren Werten? Ich möchte dich gern besser kennen lernen. Ab jetzt werden wir uns öfter sehen.

Das freut mich. Ich verspreche dir, dass du viel erleben wirst.

Also – los geht’s! Die Klassiker wie die Herrenhäuser Gärten, den Maschsee, das Neue und das Alte Rathaus lasse ich aus, die sind ja schon bestens bekannt.

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Was moderne Kunst betrifft, braucht sich Hannover wahrlich nicht zu verstecken. Der Schokoladenfabrikant und Kunstsammler Bernhard Sprengel hat der Stadt zu einem Museum der modernen Kunst direkt am Maschsee verholfen. Und ganz nebenbei, das dazugehörige Restaurant Bell’Arte hat auch einiges zu bieten. Etwas Besonderes ist die Kestnergesellschaft gleich neben Hannovers Wahrzeichen, dem Anzeiger-Hochhaus. Alles, was Rang und Namen hat in der zeitgenössischen Kunst, stellt hier aus. Direkt an der Leine räkeln sich die drei Nanas von Niki de Saint-Phalle – knallig und mit üppigen Rundungen. Nach dem nicht gerade euphorischen Empfang durch die Hannoveraner gehören sie nun zur Stadt dazu wie die Lüttje Lage. Dazu mehr im nächsten Beitrag über Hannover.

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Hier im Anzeiger-Hochhaus erschien die erste Ausgabe des "Spiegel" und des "Stern".

Hier im Anzeiger-Hochhaus erschien die erste Ausgabe des „Spiegel“ und des „Stern“.

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Die Nanas im samstäglichen Flohmarktgewusel

Die Nanas im samstäglichen Flohmarktgewusel

und hier sind sie zum Leben erwacht

und hier sind sie zum Leben erwacht

 

Die Nanas bilden den prominentesten Teil der Skulpturenmeile, die sich am Leibnizufer entlang zieht. Dann kam noch jemand auf die tolle Idee, aus Bushaltestellen Kunstobjekte zu zaubern. Frank O. Gehry, der sich auch das Guggenheim-Museum in Bilbao ausdachte, hat sich am Steintor mit dem Gehry-Tower verewigt. Ähnlichkeiten sind nicht zu übersehen.
Meergrün und gelb, mit postmodernen Kegeln verziert, streckt sich in unmittelbarer Nähe das Mendini-Gebäude der in Norddeutschland dominierenden Verlagsgruppe Madsack. Mit den halbtransparenten Fassadenplatten kommt es mir wie eine Kreation aus einem Baukasten vor. Abends illuminiert, strahlen die Farben noch mehr. Alessandro Mendini zeichnet auch für die kaum 100 Meter entfernte Bushaltestelle verantwortlich. Ihr Design erinnert an New Yorker Taxis.

Skulpturenmeile

Skulpturenmeile


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Ich kenne diese Stadt schon lange, aber erst jetzt bei der Beschreibung merke ich, dass ich nie richtig hingesehen habe. Bin stattdessen immer zielgerichtet zu einem Punkt gefahren, habe erledigt, was zu erledigen war und habe ihr wieder den Rücken gekehrt. Vermeintlich Bekanntes neu zu entdecken ist deshalb so schön, weil man einfach nur eine andere Brille aufsetzen muss. Auch nicht die rosarote, sondern die mit dem besseren Fokus.

Kim und Aki 044Wer sagte noch, Hannover sei grau und eintönig? Dass es nicht so ist, habe ich gesehen und ich höre es auch. Viele Töne gibt es hier, auch Klänge. Gern auch karibische. Hannovers Salsa-Szene hat es bei den Fans in Deutschland zu Ruhm gebracht. Dazu trägt Emile Moïse einen gehörigen Teil bei. Er versteht es, auch die deutschen, eher steifen Hüften zum Schwingen zu bringen. Durch sein Animationstalent werden selbst hoffnungslose Fälle zu Salseros. Mittlerweile ist ihm das schon 30.000 Mal gelungen. All diese Salsa-Begeisterten und solche aus den anderen hannoverschen Salsa-Tanzschulen finden an jedem Tag der Woche eine Möglichkeit, sich in Hannover zu amüsieren. Tanzen am Ufer des Maschsees, Flashmob auf dem Bahnhofsvorplatz, da sind sie ganz unkonventionell.

Bin gerade etwas außer Atem und melde mich später wieder.

Noch mehr Hannover:
Hannover – feste feiern

Hallo Hannover, wie geht’s denn so?

Immer besser. Wie du siehst, bin ich gar nicht so grau, wie manche immer noch behaupten. Wenn du nicht so oft nach Berlin gefahren wärst, hättest du das auch schon früher sehen können.

Naja, Berlin ist eben aufregend und hip. Immerhin habe ich dich ja auch stets eine halbe Stunde besucht.

Weil dich die Bahn dazu gezwungen hat. Wusstest du eigentlich, dass hier so viele ICEs halten wie in keiner anderen deutschen Stadt? Ich liege nämlich auf der Nord-Süd- und der Ost-West-Achse. Und wenn wir schon bei den Superlativen sind: meine grüne Lunge, die Eilenriede, ist der größte Stadtwald Europas, doppelt so groß wie der New Yorker Central Park. Und dann noch das reinste Hochdeutsch, die weltgrößte Industrie-Messe, die EXPO 2000 als einzige Weltausstellung auf deutschem Boden, …

Ja, ja schon gut. Ich sehe die Perlen, mit denen du dich schmückst. Aber was ist mit den inneren Werten? Ich möchte dich gern besser kennen lernen. Ab jetzt werden wir uns öfter sehen.

Das freut mich. Ich verspreche dir, dass du viel erleben wirst.

Also – los geht’s! Die Klassiker wie die Herrenhäuser Gärten, den Maschsee, das Neue und das Alte Rathaus lasse ich aus, die sind ja schon bestens bekannt.

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Was moderne Kunst betrifft, braucht sich Hannover wahrlich nicht zu verstecken. Der Schokoladenfabrikant und Kunstsammler Bernhard Sprengel hat der Stadt zu einem Museum der modernen Kunst direkt am Maschsee verholfen. Und ganz nebenbei, das dazugehörige Restaurant Bell’Arte hat auch einiges zu bieten. Etwas Besonderes ist die Kestnergesellschaft gleich neben Hannovers Wahrzeichen, dem Anzeiger-Hochhaus. Alles, was Rang und Namen hat in der zeitgenössischen Kunst, stellt hier aus. Direkt an der Leine räkeln sich die drei Nanas von Niki de Saint-Phalle – knallig und mit üppigen Rundungen. Nach dem nicht gerade euphorischen Empfang durch die Hannoveraner gehören sie nun zur Stadt dazu wie die Lüttje Lage. Dazu mehr im nächsten Beitrag über Hannover.

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Hier im Anzeiger-Hochhaus erschien die erste Ausgabe des "Spiegel" und des "Stern".

Hier im Anzeiger-Hochhaus erschien die erste Ausgabe des „Spiegel“ und des „Stern“.

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Die Nanas im samstäglichen Flohmarktgewusel

Die Nanas im samstäglichen Flohmarktgewusel

und hier sind sie zum Leben erwacht

und hier sind sie zum Leben erwacht

 

Die Nanas bilden den prominentesten Teil der Skulpturenmeile, die sich am Leibnizufer entlang zieht. Dann kam noch jemand auf die tolle Idee, aus Bushaltestellen Kunstobjekte zu zaubern. Frank O. Gehry, der sich auch das Guggenheim-Museum in Bilbao ausdachte, hat sich am Steintor mit dem Gehry-Tower verewigt. Ähnlichkeiten sind nicht zu übersehen.
Meergrün und gelb, mit postmodernen Kegeln verziert, streckt sich in unmittelbarer Nähe das Mendini-Gebäude der in Norddeutschland dominierenden Verlagsgruppe Madsack. Mit den halbtransparenten Fassadenplatten kommt es mir wie eine Kreation aus einem Baukasten vor. Abends illuminiert, strahlen die Farben noch mehr. Alessandro Mendini zeichnet auch für die kaum 100 Meter entfernte Bushaltestelle verantwortlich. Ihr Design erinnert an New Yorker Taxis.

Skulpturenmeile

Skulpturenmeile


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Ich kenne diese Stadt schon lange, aber erst jetzt bei der Beschreibung merke ich, dass ich nie richtig hingesehen habe. Bin stattdessen immer zielgerichtet zu einem Punkt gefahren, habe erledigt, was zu erledigen war und habe ihr wieder den Rücken gekehrt. Vermeintlich Bekanntes neu zu entdecken ist deshalb so schön, weil man einfach nur eine andere Brille aufsetzen muss. Auch nicht die rosarote, sondern die mit dem besseren Fokus.

Kim und Aki 044Wer sagte noch, Hannover sei grau und eintönig? Dass es nicht so ist, habe ich gesehen und ich höre es auch. Viele Töne gibt es hier, auch Klänge. Gern auch karibische. Hannovers Salsa-Szene hat es bei den Fans in Deutschland zu Ruhm gebracht. Dazu trägt Emile Moïse einen gehörigen Teil bei. Er versteht es, auch die deutschen, eher steifen Hüften zum Schwingen zu bringen. Durch sein Animationstalent werden selbst hoffnungslose Fälle zu Salseros. Mittlerweile ist ihm das schon 30.000 Mal gelungen. All diese Salsa-Begeisterten und solche aus den anderen hannoverschen Salsa-Tanzschulen finden an jedem Tag der Woche eine Möglichkeit, sich in Hannover zu amüsieren. Tanzen am Ufer des Maschsees, Flashmob auf dem Bahnhofsvorplatz, da sind sie ganz unkonventionell.

Bin gerade etwas außer Atem und melde mich später wieder.

Noch mehr Hannover:
Hannover – feste feiern

2 Kommentare

  1. Kommentar von Rita

    Rita November 2014 at 09:36

    Sehr schön geschrieben. Hannover ist von außen wunderbar, unscheinbar. Aber wenn man wie Du bereit geschrieben hast, genauer hinschaut entdeckt man immer wieder etwas neues.
    Zu empfehlen ist auch Döhren. Das Dorf im Dorf mit dem Fiedelerplatz wo Freitags Markt ist und an der Ecke Eickemeyers Party Service mit den weltbesten Minirollmöbsen die ich je gesehen und gegessen habe.:D aber auch vielerlei anderer Dinge. Einen Steinwurf vom Maschsee entfernt. Oder an der Hildesheimerstr. Richtung Südstadt mit dem Döhrener Turm oder rechts davon gelegen gleich die Eilenriede.
    Aber auch etwas ausserhalb der Deister im Calenberger Land ist ein Besuch wert.
    Liebe Grüße

  2. Kommentar von monika

    monika November 2014 at 17:54

    Liebe Rita,
    du hast recht, Döhren hat durchaus etwas Dörfliches. Wenn man auf der Leineinsel spazieren geht, vergisst man, dass man eigentlich mitten in einer Großstadt ist. Hannover mag seine schönsten Seiten erst auf den zweiten Blick zeigen, aber genaues Hinsehen lohnt sich auf jeden Fall. Es würde mich nicht wundern, wenn ich eines Tages dort hinziehe.
    Liebe Grüße

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