Salsa in Puerto Rico

April 2012

 

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Ein bisschen USA, eine gehörige Portion karibischer Lebensfreude und Lässigkeit – das ist mein erster Eindruck. SUVs schieben sich Stoßstange an Stoßstange durch die Straßen. Dabei sei das Benzin hier so teuer geworden, stöhnt Natalia, die Inhaberin des Casa Castellana, die Gallone (3,8 Liter) koste fast 90 US-Cent. Zugegeben, das ist natürlich bedauerlich.
Mehr als ich mir vorgestellt hatte, bestimmen Salsaklänge das Land. Gleichgültig, ob bei Walgreens, in der Lobby des Marriott-Hotels oder ein beliebiger Radiosender, Salsa gibt den Takt an.  Im Restaurant sowieso – ein Konzert von Marc Antony, der von dieser Insel stammt, sorgt für die akustische Würze des Essens.
Aber es gibt auch andere Töne.  Die üppige Vegetation der Vorgärten beherbergt Tiere, deren Laute mir neu sind. Zusammen mit dem diffusen Blätterrauschen der uralten Bäume, die sich ihre Weg durch das Straßenpflaster bahnen, ergibt sich eine exotische Geräuschkulisse mitten in der Stadt. Die Fassaden der Altstadt von San Juan strahlen in knalligen Farben. Mit ihren schmiedeeisernen Balkonen erzählen von der kolonialen Vergangenheit. Auch in puertoricanischen Küche herrscht immer noch ein starker spanischer Einfluss. Mir scheint, als gäbe es hier mehr Tapasbars und spanische Restaurants als „cocina criolla“.
Den Jetlag habe ich noch nicht ganz abgeschüttelt. Mitten in der Nacht wache ich auf von einem kurzen, aber heftigen Schauer, der polternden Müllabfuhr und den exotischen Vögeln, die so ganz anders klingen als die vor meinem heimischen Schlafzimmerfenster an einem frühen Sommermorgen.
Nachher habe ich meine erste Salsastunde. Über diverse Kontakte werde ich auf einen Tänzer treffen – ich bin so gespannt. Das wird ein guter Tag.

Freitag
José meint, dass wir an den Salsa-Grundlagen arbeiten sollten. Etwas desillusionierend, aber es soll mir recht sein – wann habe ich schon die Gelegenheit, Salsa direkt an der Quelle zu studieren? Ab morgen wird mein Tag mit zwei Stunden Salsaunterricht beginnen.
Das Bacardi-Hauptquartier hat sich mit seinen 1600 Mitarbeitern etwas außerhalb der Stadt niedergelassen. Senor Jacundo Bacardi stammt aus Katalonien und gründete seine Firma in Kuba. Nachdem jedoch Castro die Firma enteignet hatte, zog Bacardi hierher.  Besucher werden an einer Bar empfangen, so dass unweigerlich Partystimmung aufkommt. Für jeden gibt es zwei Drinks auf Kosten des Hauses. Während des Rundgangs erläutert der Führer in launigen Worten das Destillationsverfahren und lässt vor allem ein gewisses „Bacardi-Feeling“ aufkommen.
Das Cafe del Angel serviert typisch puertoricanische Küche. Mofongos sind eine Art gefüllte Klöße auf der Basis von Kochbananen, die unterschiedlich gefüllt sind. Der Service kann jedoch nicht amerikanischer sein: Kaum ist der letzte Bissen im Mund, zieht der Kellner auch schon den Teller weg. Darf es noch etwas sein? Nein? Dann kommt umgehend und unaufgefordert die Rechnung. Der Nächste, bitte ….

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IMG_7400Samstag
Uno, dos, tres, cinco, seis, siete – 120 Minuten diesem Takt zu folgen treibt mir die Schweissperlen nicht nur auf die Stirn, aber ich wollte es ja nicht anders. Schon nach kurzer Zeit feilen wir eher an den Feinheiten. Vor allem mag ich die pasos libres. Das sind Schritte, die nicht in Tanzhaltung getanzt werden. Ich wünsche mir, ich könnte länger hier bleiben. Jeden Tag mit Tanzen zu beginnen, das wäre ein Traum!
Unter einem Regenwald stelle ich mir ein fast undurchdringliches grünes Gebiet vor. El Yunque, der einzige Regenwald auf amerikanischen Territorium, wie immer wieder betont wird  ist jedoch bequem mit dem Auto zu durchfahren (jetzt fällt es mir wieder ein: ich bin in den USA. Zu Fuß zu gehen, ist hier nicht vorgesehen). Trotzdem ist es spannend, auf die Geräusche zu hören, die feuchte Luft zu riechen und ja, es gibt tatsächlich einen halbstündigen Fußmarsch zu einem Wasserfall, unter dem man auch baden kann. Vor meinem geistigen Auge sehe ich es schon: Mitten im grünen Dschungel ein einsamer und romantischer Platz, wo man so ganz allein eins mit der Natur sein kann. Tatsache ist aber, dass schon ganze Busladungen von jungen Leuten den Wasserfall belagern und offensichtlich eine Menge Spaß haben.

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3-IMG_7450Sonntag
Im Süden der Insel steht an einer Schnellstraße neben einer Fastfood-Bude ziemlich unscheinbar ein „Coliseo Gallistico del Sur“. Dies muss eine Hahnenkampf-Arena sein. Von solchen merkwürdigen Freizeitbeschäftigungen, bei denen es auch um Geld geht, habe ich schon gehört.  So viel ist klar: dies ist kein Platz für Touristen. In der Mitte der spartanischen, neonbeleuchteten Halle müssen zwei arme Kreaturen, angefeuert von ihren Besitzern, bis zum K.O. gegeneinander kämpfen. Das sieht so ähnlich aus wie beim Boxen. Vor dem Kampf werden die Tiere noch eine Spur aggressiver gemacht. Sie sehen etwas anders aus als ihre Kollegen, die den ganzen Tag lang auf dem Misthaufen stehen, schmaler und irgendwie … gerupfter. So etwas mag ich nicht. An der Bande wirbt eine Hähnchenbraterei. Ironie oder einfach pragmatisches Kalkül? Es dauert nicht lange, bis ich merke, dass ich hier mit meiner Kamera nicht gerade willkommen bin. Ich gehe dann mal lieber.

Wieder in San Juan angekommen, tauche ich nochmal ab in die Salsa-Welt. Eigentlich auf der Suche nach dem Lokal José Enrique, zieht mich die Musik magisch an, die von irgendwoher kommt. Schon nach kurzer Zeit stehe ich vor einer kleiner Bar, die geradezu vor Menschen überquillt. Sie tanzen nicht nur in, sondern auch vor der Bar und auf der Straße. Wer hier durch möchte, hat selbst Schuld. Man kann nur mitmachen. Langsam verstehe ich, weshalb die Leute hier die Musik im Blut haben. José Enrique habe ich nie gefunden. Aber dafür etwas Besseres.

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Montag

Auf der Welt gibt es nur ganz wenige Orte, wo man das Leuchten von Einzellern beobachten kann, drei davon befinden sich in Puerto Rico. Der Veranstalter gibt zunächst eine kleine Einführung in die Kunst des Paddelns. Bei Einbruch der Dunkelheit werden die Besucher dann in kleine Kajaks gesetzt. Jemand erkundigt sich, wie tief das Wasser sei. Der Vorpaddler versichert, es sei an keiner Stelle tiefer als einen Meter fünfzig. Aha, sehr beruhigend für Landratten wie mich. Nach einer kleinen Aufwärmrunde geht es in eine Art Kanal, der durch einen Mangrovenwald führt. Nur das kleine Rücklicht des Vordermanns ist jetzt noch zu sehen. Es ist nun stockdunkel, aber der Mangrovenwald lebt. Es knackt und pfeift und piepst und dazu die immer feuchtwarme Luft. Langsam wird das Phänomen der Biolumineszenz sichtbar.  Die Wasserbewegung, die das Paddel verursacht, ruft bei den Dinoflagellaten eine Abwehrreaktion hervor: sie fangen an zu leuchten. Da macht das Paddeln nochmal so viel Spaß. Ganz dicht an meinem Kajak muss irgendein größeres Lebewesen im Wasser sein. Da ich keinen weiteren Passagier an Bord haben möchte, erhöhe ich die Schlagzahl so weit es geht. Plötzlich öffnet sich der Mangroventunnel und wir befinden uns in einer Lagune. Damit niemand abdriftet, halten wir das Kajak des Nebenmanns fest, damit auch alle den kleinen Vortrag über die winzigen Meeresbewohner mitbekommen. Normalerweise fühle ich mich nicht so richtig wohl auf dem Wasser, aber wieder an Land angekommen, finde ich es schade, dass der Ausflug schon zu Ende ist.

Dienstag
Zum Abschluss meiner karibischen Woche gönne ich mir einen Strandtag. Palmen, klares Wasser, ein fast menschenleerer Strand – ach, das Leben kann so schön sein.

Was ich vermissen werde: die Musik, das Klima, das entspannte Lebensgefühl
Was ich nicht vermissen werde: all die amerikanischen Fastfood-Ketten, denen man kaum entkommen kann

 

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Ein bisschen USA, eine gehörige Portion karibischer Lebensfreude und Lässigkeit – das ist mein erster Eindruck. SUVs schieben sich Stoßstange an Stoßstange durch die Straßen. Dabei sei das Benzin hier so teuer geworden, stöhnt Natalia, die Inhaberin des Casa Castellana, die Gallone (3,8 Liter) koste fast 90 US-Cent. Zugegeben, das ist natürlich bedauerlich.
Mehr als ich mir vorgestellt hatte, bestimmen Salsaklänge das Land. Gleichgültig, ob bei Walgreens, in der Lobby des Marriott-Hotels oder ein beliebiger Radiosender, Salsa gibt den Takt an.  Im Restaurant sowieso – ein Konzert von Marc Antony, der von dieser Insel stammt, sorgt für die akustische Würze des Essens.
Aber es gibt auch andere Töne.  Die üppige Vegetation der Vorgärten beherbergt Tiere, deren Laute mir neu sind. Zusammen mit dem diffusen Blätterrauschen der uralten Bäume, die sich ihre Weg durch das Straßenpflaster bahnen, ergibt sich eine exotische Geräuschkulisse mitten in der Stadt. Die Fassaden der Altstadt von San Juan strahlen in knalligen Farben. Mit ihren schmiedeeisernen Balkonen erzählen von der kolonialen Vergangenheit. Auch in puertoricanischen Küche herrscht immer noch ein starker spanischer Einfluss. Mir scheint, als gäbe es hier mehr Tapasbars und spanische Restaurants als „cocina criolla“.
Den Jetlag habe ich noch nicht ganz abgeschüttelt. Mitten in der Nacht wache ich auf von einem kurzen, aber heftigen Schauer, der polternden Müllabfuhr und den exotischen Vögeln, die so ganz anders klingen als die vor meinem heimischen Schlafzimmerfenster an einem frühen Sommermorgen.
Nachher habe ich meine erste Salsastunde. Über diverse Kontakte werde ich auf einen Tänzer treffen – ich bin so gespannt. Das wird ein guter Tag.

Freitag
José meint, dass wir an den Salsa-Grundlagen arbeiten sollten. Etwas desillusionierend, aber es soll mir recht sein – wann habe ich schon die Gelegenheit, Salsa direkt an der Quelle zu studieren? Ab morgen wird mein Tag mit zwei Stunden Salsaunterricht beginnen.
Das Bacardi-Hauptquartier hat sich mit seinen 1600 Mitarbeitern etwas außerhalb der Stadt niedergelassen. Senor Jacundo Bacardi stammt aus Katalonien und gründete seine Firma in Kuba. Nachdem jedoch Castro die Firma enteignet hatte, zog Bacardi hierher.  Besucher werden an einer Bar empfangen, so dass unweigerlich Partystimmung aufkommt. Für jeden gibt es zwei Drinks auf Kosten des Hauses. Während des Rundgangs erläutert der Führer in launigen Worten das Destillationsverfahren und lässt vor allem ein gewisses „Bacardi-Feeling“ aufkommen.
Das Cafe del Angel serviert typisch puertoricanische Küche. Mofongos sind eine Art gefüllte Klöße auf der Basis von Kochbananen, die unterschiedlich gefüllt sind. Der Service kann jedoch nicht amerikanischer sein: Kaum ist der letzte Bissen im Mund, zieht der Kellner auch schon den Teller weg. Darf es noch etwas sein? Nein? Dann kommt umgehend und unaufgefordert die Rechnung. Der Nächste, bitte ….

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Uno, dos, tres, cinco, seis, siete – 120 Minuten diesem Takt zu folgen treibt mir die Schweissperlen nicht nur auf die Stirn, aber ich wollte es ja nicht anders. Schon nach kurzer Zeit feilen wir eher an den Feinheiten. Vor allem mag ich die pasos libres. Das sind Schritte, die nicht in Tanzhaltung getanzt werden. Ich wünsche mir, ich könnte länger hier bleiben. Jeden Tag mit Tanzen zu beginnen, das wäre ein Traum!
Unter einem Regenwald stelle ich mir ein fast undurchdringliches grünes Gebiet vor. El Yunque, der einzige Regenwald auf amerikanischen Territorium, wie immer wieder betont wird  ist jedoch bequem mit dem Auto zu durchfahren (jetzt fällt es mir wieder ein: ich bin in den USA. Zu Fuß zu gehen, ist hier nicht vorgesehen). Trotzdem ist es spannend, auf die Geräusche zu hören, die feuchte Luft zu riechen und ja, es gibt tatsächlich einen halbstündigen Fußmarsch zu einem Wasserfall, unter dem man auch baden kann. Vor meinem geistigen Auge sehe ich es schon: Mitten im grünen Dschungel ein einsamer und romantischer Platz, wo man so ganz allein eins mit der Natur sein kann. Tatsache ist aber, dass schon ganze Busladungen von jungen Leuten den Wasserfall belagern und offensichtlich eine Menge Spaß haben.

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Im Süden der Insel steht an einer Schnellstraße neben einer Fastfood-Bude ziemlich unscheinbar ein „Coliseo Gallistico del Sur“. Dies muss eine Hahnenkampf-Arena sein. Von solchen merkwürdigen Freizeitbeschäftigungen, bei denen es auch um Geld geht, habe ich schon gehört.  So viel ist klar: dies ist kein Platz für Touristen. In der Mitte der spartanischen, neonbeleuchteten Halle müssen zwei arme Kreaturen, angefeuert von ihren Besitzern, bis zum K.O. gegeneinander kämpfen. Das sieht so ähnlich aus wie beim Boxen. Vor dem Kampf werden die Tiere noch eine Spur aggressiver gemacht. Sie sehen etwas anders aus als ihre Kollegen, die den ganzen Tag lang auf dem Misthaufen stehen, schmaler und irgendwie … gerupfter. So etwas mag ich nicht. An der Bande wirbt eine Hähnchenbraterei. Ironie oder einfach pragmatisches Kalkül? Es dauert nicht lange, bis ich merke, dass ich hier mit meiner Kamera nicht gerade willkommen bin. Ich gehe dann mal lieber.

Wieder in San Juan angekommen, tauche ich nochmal ab in die Salsa-Welt. Eigentlich auf der Suche nach dem Lokal José Enrique, zieht mich die Musik magisch an, die von irgendwoher kommt. Schon nach kurzer Zeit stehe ich vor einer kleiner Bar, die geradezu vor Menschen überquillt. Sie tanzen nicht nur in, sondern auch vor der Bar und auf der Straße. Wer hier durch möchte, hat selbst Schuld. Man kann nur mitmachen. Langsam verstehe ich, weshalb die Leute hier die Musik im Blut haben. José Enrique habe ich nie gefunden. Aber dafür etwas Besseres.

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Montag

Auf der Welt gibt es nur ganz wenige Orte, wo man das Leuchten von Einzellern beobachten kann, drei davon befinden sich in Puerto Rico. Der Veranstalter gibt zunächst eine kleine Einführung in die Kunst des Paddelns. Bei Einbruch der Dunkelheit werden die Besucher dann in kleine Kajaks gesetzt. Jemand erkundigt sich, wie tief das Wasser sei. Der Vorpaddler versichert, es sei an keiner Stelle tiefer als einen Meter fünfzig. Aha, sehr beruhigend für Landratten wie mich. Nach einer kleinen Aufwärmrunde geht es in eine Art Kanal, der durch einen Mangrovenwald führt. Nur das kleine Rücklicht des Vordermanns ist jetzt noch zu sehen. Es ist nun stockdunkel, aber der Mangrovenwald lebt. Es knackt und pfeift und piepst und dazu die immer feuchtwarme Luft. Langsam wird das Phänomen der Biolumineszenz sichtbar.  Die Wasserbewegung, die das Paddel verursacht, ruft bei den Dinoflagellaten eine Abwehrreaktion hervor: sie fangen an zu leuchten. Da macht das Paddeln nochmal so viel Spaß. Ganz dicht an meinem Kajak muss irgendein größeres Lebewesen im Wasser sein. Da ich keinen weiteren Passagier an Bord haben möchte, erhöhe ich die Schlagzahl so weit es geht. Plötzlich öffnet sich der Mangroventunnel und wir befinden uns in einer Lagune. Damit niemand abdriftet, halten wir das Kajak des Nebenmanns fest, damit auch alle den kleinen Vortrag über die winzigen Meeresbewohner mitbekommen. Normalerweise fühle ich mich nicht so richtig wohl auf dem Wasser, aber wieder an Land angekommen, finde ich es schade, dass der Ausflug schon zu Ende ist.

Dienstag
Zum Abschluss meiner karibischen Woche gönne ich mir einen Strandtag. Palmen, klares Wasser, ein fast menschenleerer Strand – ach, das Leben kann so schön sein.

Was ich vermissen werde: die Musik, das Klima, das entspannte Lebensgefühl
Was ich nicht vermissen werde: all die amerikanischen Fastfood-Ketten, denen man kaum entkommen kann

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